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Die kaum erforschten Pyramiden im Sudan

Die kaum erforschten Pyramiden im Sudan

Die Pyramiden im Sudan erinnern an eine einst mächtige Herrscher-DynastieFoto: Getty Images

Im nördlichen Sudan liegt am Ostufer des gewaltigen Nil ein weit mehr als 2000 Jahre altes Geheimnis. Vielmehr ein Ort namens Nuri, eine Nekropole, erschaffen für die mächtigsten Herrscher des Königreichs Nubien, das sich einst auf dem Gebiet des heutigen Sudan befand. Einziges Zeugnis davon vor Ort sind die gewaltigen Gräber, die diesen sogenannten „Schwarzen Pharaonen“ geweiht wurden. Denn hier, mitten in der Wüste, stehen noch heute als ewiges Denkmal für sie etwa 20 Pyramiden.

Die nubischen Könige erschufen über Jahrtausende ein mächtiges Imperium, das von 760-650 vor Christus sogar über den Nachbarn Ägypten herrschte. Die Pyramiden von Nuri wurden laut „National Geographic“ wohl zwischen 650-300 vor Christus erbaut. Manche von ihnen drei Stockwerke hoch, dienen sie als Ruhestätten der mächtigen Kuschiten-Dynastie. Dass sie heute dennoch im Schatten ihrer bekannteren Abbilder im Nachbarland Ägypten stehen, liegt an dem Umstand, dass sie bis heute kaum erforscht sind.

Vom Grundwasser begraben

Die kaum erforschten Pyramiden im Sudan

An mehreren Orten im Sudan kann man die alten Pyramiden bewundernFoto: Getty Images

Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie man die nubischen Könige damals bestattete: Man legte unterirdische Grabkammern an und baute anschließend eine Pyramide oben darauf. Doch obwohl bereits vor mehr als 100 Jahren eine Expedition aus den USA das erste Mal die Pyramiden untersuchte, sind sie bis heute fast vergessen. Denn die Grabkammern der „Schwarzen Pharaonen“ sind nur sehr schwer zugänglich – sie liegen nämlich unter Wasser.

Das liegt ganz einfach daran, dass seit der Beerdigung der nubischen Könige der Grundwasser-Spiegel in der Gegend gestiegen ist. Das Wasser überflutete wohl die meisten Grabkammern, wodurch sie weitgehend unangetastet sein dürften – doch nicht einmal das lässt sich bislang mit Sicherheit sagen. Dass die Pyramiden im Sudan bis heute wieder fast in Vergessenheit gerieten, liegt auch an einer anderen Entdeckung.

Eine folgenreiche Fehleinschätzung

1922 grub der Archäologe Howard Carter das Grab des sagenumwobenen Tutenchamun in Ägypten aus, das Tal der Könige wurde zu der wissenschaftlichen Sensation. Die Untersuchung des Harvard-Archäologen George Reiser hatte zu dieser Zeit bereits ergeben, dass die Grabkammern der Pyramiden von Nuri unter Wasser standen. Zudem beging er die Fehleinschätzung, die Ruhestätten der Kuschiten-Könige als unbedeutend abzutun.

Dass sie das keineswegs waren, zeigt ein Blick in die Bibel: Das Alten Testament erwähnt den Namen von König Taharqa. Er half im 7. Jahrhundert vor Christus mit, Jerusalem gegen die Assyrer zu verteidigen. Zudem waren es die nubischen Pharaonen, die während ihrer Herrschaft über Ägypten den Bau von Pyramiden wieder einführten. Insgesamt herrschten fünf kuschitische Pharaonen über Ägypten.

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Erste Untersuchung der Pyramiden seit 100 Jahren

Dass ihre Schätze noch weitgehend unangetastet sein dürften, zeigte 2019 eine Expedition des britischen Archäologen Pearce Paul Creasman. „National Geographic“ förderte die Ausgrabung, bei der der Wissenschaftler die 2300 Jahre alte Grabkammer in der Pyramide des Pharaos Nastasen erkundete. Den Sarkophag selbst konnte er nicht untersuchen, fand aber Gold und Shabtis. Diese kleinen Figuren wurden bedeutenden Verstorbenen auf ihre Reise ins Jenseits mitgegeben.

Tatsächlich konnte Creasman bestätigen, das wohl nur der gestiegene Grundwasser-Spiegel bislang Grabräuber abgehalten hat. Eigentlich wollt er bereits 2020 in den Sudan zurückkehren, um die Pyramiden weiter zu untersuchen – dann aber brach die weltweite Corona-Pandemie aus. Seit dem Jahr 2003 bereits steht Nuri, gemeinsam mit vier anderen bedeutenden Orten im Sudan, auf der Unesco-Welterbeliste. Und der Ort ist bei weitem nicht der einzige im Sudan, wo man die beeindruckenden Pyramiden besuchen kann.

200 weitere Pyramiden im Sudan

In der antiken Stadt Meroe gibt es laut „New York Times“ etwa 200 von ihnen zu bestaunen. Meroe ist seit 2011 Unesco-Welterbe. Diese Anlage ist jedoch bereit im 19. Jahrhundert weitgehend geplündert worden. Der italienische Grabräuber Guiseppe Ferlini ließ auf seiner Suche nach Schätzen sogar ganze Pyramiden zerstören. In Naqa, etwa 80 Kilometer entfernt von Meroe, findet man erstaunlich gut erhaltene Tempel-Anlagen.

Laut „New York Times“ möchte der Sudan sich und seine archäologischen Schätze künftig mehr für Touristen öffnen. Ein erster Schritt in diese Richtung erfolgte bereits 2019, als man Diktator Omar al-Baschir nach 30 Jahren Herrschaft aus dem Amt jagte. Was die Zukunft bringt, ist als offen. Bleibt zu hoffen, das alle weiteren Ausgrabungen in Nuri ausschließlich in wissenschaftlichem Interesse geführt werden.

Quellen

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