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Insel-Knast Port Arthur – Australiens berüchtigtstes Gefängnis

Insel-Knast Port Arthur – Australiens berüchtigtstes Gefängnis

Die Ruinen des einstigen Horror-Knasts Port Arthur sind heute eine der beliebtesten Touristen-Attraktionen auf der Insel Tasmanien Foto: Picture Alliance

Es ist das Jahr 1848, als auf der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien ein Gefängnis seinen Betrieb aufnimmt, das schnell als das berüchtigtste auf dem ganzen Kontinent gilt. England, das zu dieser Zeit noch über Australien herrscht, entledigt sich seiner Verbrecher gerne, indem es sie einfach in die Kolonie abschiebt. Wer auch hier wieder auffällig wird, landet in Port Arthur – und kehrt meist nie wieder zurück.  

Laut der Seite „Discover Tasmania“ wurden im späten 18. und 19. Jahrhundert von England aus etwa 165.000 Menschen abgeschoben, nicht selten wegen kleiner Vergehen wie Diebstahl von Lebensmitteln. Port Arthur ist das perfekte Auffangbecken für sie, von hier gibt es quasi kein Entkommen. Die Halbinsel, auf der das Gefängnis steht, ist von drei Seiten von Meer umgeben, in dem Haie nur auf Beute lauern.  

Bis zu 23 Stunden täglich eingesperrt 

Insel-Knast Port Arthur – Australiens berüchtigtstes Gefängnis

Die Häftlinge in Port Arthur wurden getrennt voneinander gefangen gehalten, durften sich auch nicht sehen oder miteinander sprechen Foto: Picture Alliance

Wie die offizielle Seite der historischen Stätte Port Arthur berichtet, handelte es sich bei den Gefangenen größtenteils um arme Menschen aus den Slums der großen Städte in England. Jeder fünfte von ihnen war eine Frau, und sogar zahlreiche Kinder wurden zusammen mit ihren Eltern hierher verbracht. Wer in Port Arthur einsaß, musste meist körperliche Schwerstarbeit verrichten, zum Beispiel Holz fällen. Auf diese Weise versuchte der Knast, dank der kostenlosen Arbeitskraft ein profitables Unternehmen zu werden. So bauten die Häftlinge auf einer Gefängnis-eigenen Werft sogar insgesamt mehr als 150 Schiffe. 

Der körperlichen Leistung jedoch abträglich war die Art und Weise, wie die Gefangenen von Port Arthur behandelt wurden, wie die Nachrichtenseite „ABC“ rekonstruiert hat: Demnach setzte man hier statt auf körperliche Züchtigung auf mentale Bestrafung – mit oft fatalen Folgen. So waren zahlreiche Insassen bis zu 23 Stunden am Tag in ihren Zellen eingesperrt. Während der restlichen Zeit durften sie nicht miteinander reden, sich noch nicht einmal sehen. Wer seine Zelle verließ, dem wurde eine Kapuze über den Kopf gezogen. 

Nummern statt Namen 

Häftlinge hatten in Port Arthur keine Namen mehr, sondern wurden zu Nummern reduziert. Verpflichtend war das Studium der Bibel und regelmäßiger Besuch in der Gefängnis-Kapelle. Ansonsten herrschte absolute Stille. Auf den Fluren lagen sogar Fußmatten, um auch noch die Geräusche von Schritten abzudämpfen. Etwa 1000 der Häftlinge hatten zuvor in einer ähnlichen Anstalt in London eingesessen. Da man glaubte, körperliche Bestrafung habe wahrscheinlicher einen Rückfall in kriminelle Aktivitäten zur Folge, setzte man stattdessen darauf, den Willen der Menschen zu brechen. 

Dazu gehörte für auffällige Insassen auch die isolierte Inhaftierung in einer Zelle ohne Tageslicht. Mindestens eine Woche, manchmal gar bis zu einem Monat. Nicht wenige Häftlinge wurden aus Port Arthur direkt in Nervenheilanstalten überstellt, sobald sie ihre Strafen verbüßt hatte. Fluchtversuche gab es nur äußerst selten, denn ein entflohener Krimineller konnte auf der unwirtlichen Insel kaum allein überleben. Die Seite „Discover Tasmania“ berichtet sogar über Fälle von Kannibalismus unter Entflohenen.  

Fluchtversuch als Känguru verkleidet 

In einem besonders skurrilen Fall versuchte demnach ein Häftling, als Känguru verkleidet aus Port Arthur zu entkommen. Die Wachen eröffneten daraufhin das Feuer auf ihn. Nicht aber, weil sie die Flucht verhindern, sondern weil sie den vermeintlichen Leckerbissen essen wollten. Der Mann gab sich schließlich lieber zu erkennen, und wurde mit 150 Peitschenhieben bestraft. 

Im Jahre 1877 schloss Port Arthur seine Tore, da immer weniger Gefangene hierher gebracht wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gefängnis dann unerwartet zur Touristenattraktion. Nach zwei verheerenden Bränden 1895 und 1897 hatte sich hier eine prosperierende kleine Siedlung entwickelt, wie die Seite der Gedenkstätte berichtet. Es gab ein eigenes Postamt, einen Cricket- sowie einen Tennisclub. Und immer mehr Besucher wollten mit eigenen Augen den einstigen Horror-Knast sehen. 

Grausames Massaker in Port Arthur

Bereits in den 1920-Jahren hatte der Ort drei Hotels, zwei Museen und zahlreiche Einwohner, die direkt vom Tourismus lebten. Seit 1987 zahlt die Regierung von Tasmanien für den Erhalt und Betrieb des historischen Ortes. Jedes Jahr zieht er Tausende von Besuchern an. Diese können zum Beispiel an einer „Isle oft the Dead“-Tour teilnehmen, die über den ehemaligen Gefängnis-Friedhof führt. Auch sogenannte Escape-Games sind buchbar. 

Wenig überraschend kann man in Port Arthur auch eine Geister-Tour mitmachen. Laut Webseite des Ortes sind in den knapp 30 Jahren, in denen das Gefängnis in Betrieb war, hier mehr als 1000 der insgesamt etwa 12.500 Insassen gestorben. Bereits vor der Schließung gab es demnach ab 1870 die ersten Aufzeichnungen über vermeintliche paranormale Sichtungen. Doch man muss nicht an Gespenster glauben, um einen kalten Schauer zu verspüren, wenn man die alten Gemäuer von Port Arthur heute betritt.  

Schuld daran ist allerdings auch ein Ereignis aus der jüngeren Geschichte, denn laut „Atlas Obscura“ erschoss hier im Jahr 1996 ein Mann auf dem Gelände insgesamt 35 Menschen. Für jedes seiner Opfer wurde er anschließend zu einmal lebenslänglich verurteilt. Bis heute ist der Fall das schlimmste Massaker der australischen Geschichte – abgesehen von der Ermordung der Aborigines durch weiße Siedler, versteht sich. 2010 wurde Port Arthur aber wegen seiner für Australien bedeutenden Geschichte von der Unesco zur Welterbestätte erklärt.  

Port Arthur auf der Karte

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