News

Meeresspiegel in Venedig soll in den nächsten Jahrzehnten um deutlich mehr als einen Meter steigen

Meeresspiegel in Venedig soll in den nächsten Jahrzehnten um deutlich mehr als einen Meter steigen

Forscher prognostizieren für die Region Venedig einen Anstieg des Meeresspiegels um mehr als einen Meter bis 2100.Foto: Getty Images

Venedig kämpft immer wieder mit Hochwasser. Nun warnen Klima- und Meeresforscher für die Lagunenstadt vor einem Anstieg des Meeresspiegels um mehr als einen Meter in den nächsten Jahrzehnten. Der Klimawandel müsse bis zum Jahr 2100 entscheidend gebremst werden. Sonst sei ein Anstieg um bis zu 120 Zentimeter möglich, heißt es. Als Extremszenario haben die Forscher sogar einen Anstieg von rund 170 Zentimetern berechnet.

Das geht aus Analysen hervor, die das Fachmagazin
„Natural Hazards and Earth System Sciences“ veröffentlicht hat.¹ An
dem Projekt beteiligt waren Universitäten aus Venedig und Lecce in
Apulien sowie das italienische Institut für Meeresforschung (Ismar).

Die Wissenschaftler mahnen, dass der steigende Meeresspiegel in Folge
des Klimawandels bei der Stadtplanung in Venedig und auch anderen
Küstenorten dringend einkalkuliert werden muss.

Inhaltsverzeichnis

  • Die Hochwassergefahr in Venedig
  • Der Flutschutz „Mose“
  • Im Bau: Hochwasserschutz aus Glasbarrieren am Markusplatz
  • Quellen

Die Hochwassergefahr in Venedig

Besonders im Herbst und Winter besteht für das beliebte Touristenziel in Italien Hochwassergefahr. Im November 2019 kam es zu den schlimmsten Überschwemmungen in der Stadt seit mehr als 50 Jahren. Damals wurde der Notstand ausgerufen. Die Stadt erlitt schwere Schäden (TRAVELBOOK berichtete).

Der Flutschutz „Mose“

Als im Dezember 2020 schwere Unwetter mit Starkregen in Venedig für heftige Überschwemmungen gesorgt haben, stieg das Hochwasser auf dem weltberühmten Markusplatz auf 1,37 Meter über dem Meeresspiegel. Es drang sogar in den Markusdom ein. Verhindern sollte das eigentlich die damals gerade einmal zwei Monate zuvor in Betrieb genommene Hochwasserschutzanlage „Mose“ (kurz für: „modulo sperimentale elettromeccanico“; zu Deutsch: „elektromechanisches Versuchsmodul”). Doch der Schutzwall brauchte einen Vorlauf von 48 Stunden, der in diesem Fall nicht gegeben war.

„Mose“ besteht aus 78 beweglichen Stahl-Barrieren, die an den drei Zugängen zur Lagune errichtet wurden. Jeder Kasten ist rund 250 Tonnen schwer, 20 Meter breit, 30 Meter hoch und bis zu fünf Meter tief. Hunderte Mitarbeiter waren am Aufbau beteiligt. Die Barrieren liegen normalerweise mit Wasser gefüllt am Meeresboden. Bei Inbetriebnahme wird das Wasser mittels Pressluft herausbefördert. Ein Kasten nach dem anderen richtet sich dann auf, so dass sie gemeinsam eine Barriere bilden. Das dauert bis zu einer Stunde und soll in Zukunft die Hilfe von 18 Mitarbeitern benötigen.

Meeresspiegel in Venedig soll in den nächsten Jahrzehnten um deutlich mehr als einen Meter steigen

Das neue Hochwasser-Schutzsystem Mose in Venedig wurde am 3. Oktober 2020 erstmals bei einer Gefahrenlage in Betrieb genommenFoto: Getty Images

Der Bau der Schutzanlage begann bereits 2003 und sollte bis 2011 vollendet sein – die geplanten Kosten: rund 1,8 Milliarden Euro. Die tatsächliche Inbetriebnahme erfolgte erst im Jahr 2020 und die Kosten beliefen sich auf rund sechs Milliarden Euro. Wegen zahlreicher Verzögerungen, Korruptionsskandalen und viel höheren Kosten als geplant, geriet das Bauprojekt in Verruf. Umweltschützer sehen Mose außerdem kritisch, da sie befürchten, dass es das fragile Ökosystem der venezianischen Lagune stören könnte.

In einer Prognose der Wissenschaftler müsste die „Mose-Barriere“ von 2075 an fast das ganze Jahr geschlossen bleiben, um die Stadt vor dem Meer zu schützen – was extreme Auswirkungen auf die
Umwelt und die Wirtschaft der Lagunenstadt haben würde.

Im Bau: Hochwasserschutz aus Glasbarrieren am Markusplatz

Um den Markusdom vor Flutwellen zu schützen, wird derzeit ein System aus Glasbarrieren gebaut. Die Arbeiten dazu haben im August begonnen und sollen etwa drei Monate dauern – geplante Kosten: 3,5 Millionen Euro. Die Barrieren aus Glas sollen optisch nicht stören und künftig irreparable Hochwasser-Schäden an wertvollen Mosaiken und an der Krypta vermeiden.

Quellen

  • ¹ Analysen des Fachmagazins „Natural Hazards and Earth System Sciences“
  • „ORF.at“: Markusdom in Venedig bekommt System aus Glasbarrieren
  • dpa

Quellen

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Schließen
Schließen