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Belavia erhält Flugverbot in der EU: Der Boykott trifft vor allem Belarussen

Belavia erhält Flugverbot in der EU: Der Boykott trifft vor allem Belarussen

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Belavia erhält Flugverbot in der EU: Der Boykott trifft vor allem Belarussen

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In der neuen Bemalung: Eine Boeing 737-800 der weißrussischen Fluggesellschaft Belavia im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen.

Belavia erhält Flugverbot in der EU: Der Boykott trifft vor allem Belarussen

von Till Bartels

Selten waren sich die Regierungschefs bei einem EU-Gipfels so schnell einig: Einstimmig verabschiedeten sie ein Flug- und Landeverbot für belarussische Airlines. Erst vor Kurzem wurde Lukaschenkos Boeing 737 in Hamburg gewartet.

Nach der erzwungenen Landung eines Passagierflugzeuges von Ryanair in Minsk und der Verhaftung des Journalisten Roman Protassewitsch mit Freundin hat die Europäische Union weitere Sanktionen gegen Belarussland verhängt. Dazu gehört ein Flugverbot für alle in Belarus beheimateten Fluglinien. Diese dürfen in den Luftraum der 28 EU-Staaten nicht mehr einfliegen. Auch sind EU-Fluggesellschaften aufgefordert, Überflüge über belarussisches Gebiet zu meiden.

Zu den Airlines, die am stärksten von dem Flug- und Landeverbot betroffen sind, gehört die staatliche belarussische Fluglinie Belavia. Bereits am Dienstag nach Pfingsten mussten die Airline ihre geplanten Flüge nach Paris und London streichen. Als eines der ersten Länder hatte Großbritannien Belavia die Betriebserlaubnis für ihren Luftraum entzogen.

Belavia entstand 1996, als der weißrussische National-Carrier die in Minsk stationierten Maschinen der Aeroflot übernahm. Er fusionierte zwei Jahre später mit der Fluggesellschaft Minskavia. Heute verfügt Belavia über eine Flotte von 30 Jets, die aus verschiedenen Typen der Boeing 737 und geleasten Embraer-Jets besteht.

Als eine der letzten Fluglinien weltweit stellte Belavia erst im Jahre 2016 die dreistrahligen sowjetischen Jets der Bauart Tupolew T-154 außer Dienst. Das letzte schwere Flugzeugunglück der Airline ereignete sich im Februar 2008 in Jerewan, als sich der Regionaljet vom Typ Canadair CRJ100 wegen eines Pilotenfehlers beim Start überschlug. Die 18 Passagiere und drei Crewmitglieder an Bord überlebten das Katastrophe zum Teil schwer verletzt.

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Die Flugzeuge von Belavia und Co


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Weitere Fluggesellschaften mit Sitz in Minks heißen Rubystar Airways, TransAVIAexport Airlines und Rada Airlines. Bei allen drei Firmen handelt es sich um Cargo Airlines. Die Flotte der Rubystar Airways besteht aus Maschinen des Typs Antonow An-12, Iljuschin Il-76 und Boeing 747.

Rada Airlines fliegt noch mit der vierstrahligen Iljuschin Il-62 und wird häufiger auch von Auftraggebern im Westen zu Flügen in Risikogebiete gechartert. Neben der nordkoreanischen Air Koryo ist Rada Airlines die einzige Fluglinie, die mit diesem Flug-Saurier noch Flüge durchführt.


Lukaschenkos Regierungsmaschinen

Drei weitere Flugzeuge sind in Minsk beheimatet, bei denen es sich um Regierungsmaschinen handelt, die von Belavia betrieben werden: eine langstreckentaugliche Boeing 767, ein Bombardier Challenger 850 und eine Boeing 737. Letztere befand sich erst im Oktober 2020 bei der Lufthansa Technik in Hamburg zur Wartung.

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Aufgrund der dramatischen Lage um Demokratie und Menschenrechte in Belarussland kam es damals zu Protesten vor den Werkstoren am Hamburger Flughafen. "Es gibt in der Belegschaft Mitarbeiter, die sich weigern, das Flugzeug zu warten, und es ist für die Lufthansa gar nicht einfach, jetzt genug Leute für diesen Auftrag zu finden", berichtete ein Gewerkschaftsvertreter dem ZDF.

Verdi wollte Mitarbeitern den Rücken stärken, die fürchteten, von der Lufthansa Technik belangt zu werden, sollten sie sich weigern, die Regierungsmaschine zu überholen. Schon vor mehr als 30 Jahren hatten Flugingenieure die Wartung eines Jets des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu boykottiert. Doch der Protest im vergangenen Herbst hatte wenig genützt. Nach zwei Wochen flog die Boeing 737 mit der Kennung EW-001PA von Hamburg zurück nach Minsk.

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Umstritten sind auch die jüngsten Luftfahrtsanktionen der EU. Bis Pfingsten galt der Flughafen von Minsk als die letzte halboffene Tür für Belarussen. Alle Grenzen zu den Nachbarländern hatte Lukaschenko bereits im Dezember unter dem Vorwand der Pandemie geschlossen.

Da auch immer mehr westlichen Fluggesellschaften den Luftraum über Belarussland meiden, werden die wenigen verbliebenen Verbindungen nach Minsk gekappt. Durch die jüngsten Maßnahmen wird weniger das Regime getroffen, sondern vielmehr der Bevölkerung der Weg in westliche Länder versperrt.

Lukaschenko kann dennoch weiterhin auf seine Regierungsflieger zurückgreifen und damit zum nächsten Treffen mit Putin nach Russland fliegen.

Quellen

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