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Dem deutschen Wald geht es schlecht wie nie

Dem deutschen Wald geht es schlecht wie nie


Harald Lueder/Shutterstock

Dem deutschen Wald – hier im Taunus – geht es schlecht. Besonders Fichten und Buchen sind betroffen

Bald treiben die Bäume wieder aus. Doch der Blick in die Baumkronen könnte den Genuss schmälern: Immer mehr abgestorbene Bäume, gelbliches oder kleines Laub, kahle Stellen deuten darauf hin, dass etwas nicht stimmt mit dem Wald. Das bestätigt nun auch eine offizielle Stichprobe mit mehr als 10.000 Bäumen aus 38 Baumarten.

“Unsere Wälder sind krank“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Vorstellung der Waldzustandserhebung 2020 am Mittwoch. Seit 1984 erscheint der Report regelmäßig. Der aktuelle Befund gehört zu den alarmierendsten seither.

Von den untersuchten Bäumen zeigte nur jeder Fünfte keinen deutlich erkennbaren Schaden in der Krone: Bei den Fichten stieg der Anteil der sogenannten Kronenverlichtungen gegenüber dem Vorjahr von 36 auf 44 Prozent, bei den Buchen von 47 auf 55 Prozent. Bei den majestätischen Laubbäumen sind besonders die älteren, über 60-Jährigen betroffen. Ganz ohne Verlichtungen waren nur noch elf Prozent aller Buchen. Im Vorjahr waren es immerhin noch 16 Prozent. Auch die Zahl der abgestorbenen Bäume – über alle Baumarten – ist seit dem letzten Bericht sprunghaft angestiegen.

Dürrejahre haben dem Wald zugesetzt

Zurückzuführen ist der dramatische Befund vor allem auf den voranschreitenden Klimawandel: die Dürreperioden der Jahre 2018 bis 2020, Stürme und Waldbrände. Die anhaltende Trockenheit führte vielerorts dazu, dass Bäume ihre Blätter vorzeitig abwarfen. Besonders die Fichten sind zusätzlich durch eine massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers betroffen. Der Nadelbaum ist mit einem Viertel die häufigste Baumart in deutschen Wäldern.

Die Waldzustandserhebung macht aber nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur deutlich: Es ist auch ein Hinweis, dass die deutsche Klimapolitik sich auf den Wald als Kohlstoffsenke nicht verlassen kann. Bislang gingen Experten davon aus, dass die Wälder jedes Jahr rund 62 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid speichern.

Wachsen Bäume aber langsamer, reduziert sich diese Klimaschutz-Leistung. Und abgestorbene Bäume werden sogar zu CO2-Quellen, wenn das im Holz gebundene Kohlendioxid bei der Zersetzung wieder in die Atmosphäre gelangt.

Klimaschutz ist Waldschutz

Der Landschaftsökologe Allan Buras, Koordinator des Waldzustandsmonitors an der TU München, weist darauf hin, dass dem Wald vor allem eine Begrenzung der Erderwärmung helfen kann. „Jedes Zehntelgrad weniger an Erwärmung erhöht die Chancen, dass bestimmte Baumarten in Deutschland in nennenswertem Umfang erhalten bleiben“, sagte er gegenüber der „taz“. Er plädiert dafür, statt auf Monokulturen auf ein „breit gestreutes Baumartenportfolio“ zu setzen. Durch diese Vielfalt würden Wälder widerstandsfähiger und es komme nicht zum Absterben ganzer Bestände.

Laut Julia Klöckner stehen insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung – um „Schäden zu räumen, neue resiliente und standortangepasste Bäume zu pflanzen, die Wälder weiter umzubauen und damit besser an den Klimawandel anzupassen“.

Ob der Umbau mit der erforderlichen Schnelligkeit gelingt, ist fraglich. Der Forstexperte László Maráz vom Forum Umwelt und Entwicklung sagte im GEO-Interview mit Blick auf den anhaltenden Erwärmungstrend bis zum Ende des Jahrhunderts: „Wenn es in Deutschland vier oder fünf Grad wärmer wird, bekommen wir eine komplett andere Vegetation. An den Wald, wie wir ihn kennen, wäre dann nicht mehr zu denken.“

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Quellen

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