Reisen

Kundengelder sollen bei Reisefirmen-Pleiten besser abgesichert werden

Konsequenzen aus Thomas-Cook-Konkurs
Kundengelder sollen bei Reisefirmen-Pleiten besser abgesichert werden

Kundengelder sollen bei Reisefirmen-Pleiten besser abgesichert werden

Ein Bild aus Zeiten unbeschwerten Reisens: Pauschalurlauber in einer Hotelanlage auf der Insel Kreta in Griechenland.

Die Bundesregierung will Kundengelder bei Pleiten von Reiseveranstaltern künftig besser absichern. Ein Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums sieht den Aufbau eines millionenschweren Reisesicherungsfonds vor.

Nie hatte jemand damit gerechnet, dass der Reiseriese Thomas Cook einmal Insolvenz anmeldet. Im September 2019 ging der Konzern Pleite. Zehntausende Urlauber musst in ihre Heimatländer aus den Urlaubsgebieten mit Sondermaschinen zurückgeholt werden.

Nur ein Teil der bereits eingezahlten Kundengelder war abgesichert. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weil die Haftung insgesamt auf 110 Millionen Euro im Jahr begrenzt war. Der Staat musste einspringen. 

Nun will der deutsche Staat die Kunden bei Pleiten von Reiseveranstaltern besser schützen. Die Firmen sollen in einen Reisesicherungsfonds einzahlen. Damit soll die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bank-Bürgschaften grundsätzlich abgelöst werden. Ausnahmen soll es für kleine Unternehmen geben. 

Der Fonds soll bis Ende Dezember 2026 mit rund 750 Millionen Euro gefüllt werden. Reiseanbieter sollen Entgelte entrichten und zusätzliche Sicherheiten stellen. Der Fonds soll Vorauszahlungen der Kunden, den Rücktransport gestrandeter Urlauber und deren Unterbringung bis zum Rücktransport garantieren. 


Die Gefahr weiterer Insolvenzen in der Branche nimmt zu

Mit den weltweiten Beschränkungen des Reiseverkehrs in der Corona-Pandemie ist zudem die Gefahr von Insolvenzen in der Branche deutlich gestiegen. Im schlechtesten Fall führe dies zu einem Rückzug von Versicherern aus dem Markt, hieß es in dem Entwurf. 

Kleine Anbieter, deren Umsatz mit Pauschalreisen im Durchschnitt der letzten drei Jahre unterhalb von drei Millionen Euro liegt, sollen sich weiter mit einem Versicherungsvertrag oder einer Bankbürgschaft absichern können. 

Zugleich soll die bisherige Haftungsbegrenzung eines Versicherers auf insgesamt 110 Millionen Euro pro Jahr soll entfallen. Sie soll durch eine Beschränkung der Haftung in Höhe von 22 Prozent des Jahresumsatzes des abzusichernden Reiseveranstalters ersetzt werden. 

Kritik an dem Entwurf kommt vom Verband Internet Reisevertrieb (VIR). Das vorliegende Konzept orientiere sich zwar am niederländischen Modell zur Absicherung der Kundengelder, ignoriert aber, wie lange dort gebraucht wurde, um einen solchen mit genügend Kapital aufzubauen.

Kundengelder sollen bei Reisefirmen-Pleiten besser abgesichert werden

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"Das niederländische Modell brauchte 20 Jahre, um sein Zielkapital zu erreichen“, sagt Michael Buller vom VIR. "Im vorliegenden Entwurf des Ministeriums wird den Reisesicherungsfonds allerdings nur eine fünfjährige Aufbauphase eingeräumt. Dies halten wir in der Umsetzung für nicht realistisch." Buller fordert einen aktiven Dialog, bei dem die Branchenverbände in den weiteren Prozess mit einbezogen werden.

Quellen

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