Reisen

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

Zu den Deals

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

Reisende, die sich in Odense auf Fünen auf die Spuren von Hans Christian Andersen begeben, kommen meistens in die beschauliche Altstadt, wo das Geburtshaus des Dichters steht.

Märchenhaftes Fünen: Auf den Spuren von H. C. Andersen

Das neue H. C. Andersen Hus in Odense auf Fünen nimmt Besucher mit in die Welt des größten dänischen Dichters. In seinem Geburtsort und auf der Insel selbst wandeln Reisende aber auch an anderen Orten auf seinen Spuren.

HK

Hans-Martin Koch

Er schrieb mehr als 160 Märchen, 14 Romane, rund 50 Dramen, dazu Biographisches und an die 1000 Gedichte: Hans Christian Andersen (1805–1875) schuf Scherenschnitte und betätigte sich als Federzeichner. Er war ein wunderlicher Mann und gilt als Dänemarks überragender Dichter.

Das auch ganz wörtlich: Andersen trug Schuhgröße 47, maß 1,85 Meter, weit mehr als die damals in Dänemark durchschnittlich üblichen 1,60 Meter. Schon immer hat seine Heimatstadt Odense auf der dänischen Insel Fünen ihren größten Sohn geehrt.

Fünen-Urlaub auf den Spuren von Andersen

Er ist der Touristenmagnet, nun mehr denn je. Dank eines spektakulären, auf Sinn und Sinnlichkeit, Kunst und Fantasie setzenden Museums. Es schmiegt sich in Odenses Altstadt mit ihren geduckten Häusern hinein.

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

Seit diesem Sommer lohnt sich in Odense auf Fünen ein Besuch des H. C. Andersen Hus.

H. C. Andersen Hus würdigt den Märchendichter

Im H. C. Andersen Hus können Andersens Märchen in 130 Sprachen gelesen werden. „Die Prinzessin auf der Erbse“, „Der standhafte Zinnsoldat“, „Das hässliche Entlein“, „Die kleine Meerjungfrau“, „Des Kaisers Nachtigall“ und viele mehr zählen zu den Weltklassikern – selbst in China. Von dort kommen so viele Besucher, dass chinesische Schriftzeichen an Wegweisern und im Museum präsent sind.

Ruhm und Erfolg waren H. C. Andersen, wie er sich nannte, nicht in die Wiege gelegt, auch wenn er im Rückblick schrieb: „Mein Leben ist ein hübsches Märchen, so reich und glücklich.“ Tatsächlich begann es alles andere als märchenhaft.

Andersen wuchs in Odense auf

Andersen kam im bitterärmsten Teil der damals 6000 Einwohner zählenden, schnell wachsenden Stadt zur Welt. In fünf kleinen Zimmern lebten bis zu 19 Menschen, geschlafen wurde im Sitzen. Andersen war – und blieb es lebenslang – ein Außenseiter. Sein Vater schlug sich als Schuster durch, seine Mutter holte als alkoholkranke Wäscherin etwas Geld ins Haus. Selbst der Platz, an dem sie am kleinen Odense-Flüsschen Wäsche walkte und wrang, ist heute als – nicht so besonders sensationelle – Sehenswürdigkeit markiert.

Im Museum auf Fünen die Märchenwelt entdecken

Armut, Außenseitertum, Unrast, Liebessehnsucht, Einsamkeit, all das und vieles mehr spiegeln sich Andersens Märchen – und nun im Museum seines Lebens. Alles ist rund im H. C. Andersen Hus, das nach Entwürfen des Japaners Kengo Kuma aus Holz und Glas entstand. Beim Besuch scheint sich das Museum Schritt um Schritt zu erweitern. Der Weg führt auf einer geschwungenen Rampe durch das Leben des Autors zu seinen vielen Reisen und unter die Oberfläche der Erde. Dort tauchen Besucher tief in Andersens Märchenwelt hinein.

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

„Des Kaisers Nachtigall“ ist einer der Höhepunkte im neuen H. C. Andersen Hus in Odense auf Fünen.

Künstler wurden eingeladen, um mit Klang, Film, Bild, Licht und Installation den Menschen Andersen zu erschließen – hin zu seiner Poesie, Poetik, Melancholie und Ironie. „Eigentlich ist das Museum der Versuch eines Gesamtkunstwerks“, sagt der Creative Director und Kurator Henrik Lübker. 53 Millionen Euro wird das Haus am Ende gekostet haben, vor vier Jahren wurde noch von 41 Millionen gesprochen.

Zum Angebot

Das Konzept ist auf laufende Kommunikation mit den Besucherinnen und Besuchern ausgelegt. Das Museum erzählt keine lineare Geschichte, es gibt kein Zentrum. Ein Headset reagiert auf Bewegungen der Besucher, zieht ihn hinein in eine Welt aus Geschichten und Gefühlen. Zu Wort kommen der Dichter, Erklärer, Märchenfiguren – und sogar die Erbse unter der Matratze.

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

In dem neuen Museum H. C. Andersen Hus in Odense gibt es außergewöhnliche Experimentierräume wie den Palast der „Schneekönigin“.

Lübkers Begeisterung für das Haus ist spürbar. Eine gewisse Zerknirschtheit auch. Denn gut Ding will offenbar Weile haben. Mit einem Grand Opening im Sommer warb das Museum. Nun ist es ein Soft Opening geworden. Der magische Garten mit seinen geheimnisvollen Wegen präsentiert sich im Sommer noch als Baustelle, das Märchenuniversum für Kinder ist gerade fertig geworden. Im Museum kommunizieren die für das Eintauchen in Andersens Welt unverzichtbaren Headsets noch nicht recht mit den Stationen. „Unerwartete technische Schwierigkeiten“, konstatiert Kurator Lübker.

Andersen ist in Odense überall

Hans Christian Andersen ist auch jenseits des neuen Museums überall in der 180.000 Einwohner zählenden, quirligen Stadt Odense präsent. Sein typischer Zylinder weht vervielfacht über der Fußgängerzone, sein Konterfei und Motive seiner Märchen sind sogar auf Kanaldeckeln zu sehen. Er sitzt in Bronze gegossen auf einer Bank, thront auf Sockeln, seine Büste hebt sich aus dem Pflaster und aus dem Wasser. Selbst der jährliche Marathon ist nach Andersen benannt, und 17 Märchenstatuen verteilen sich über die Stadt. Und blinkt da nicht die Silhouette des Dichters von der Fußgängerampel?

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

In Odense auf Fünen begegnet Hans Christian Andersen Besucherinnen und Besuchern in vielerlei Formen.

Gut drei Kilometer misst ein Weg, der auf Andersens großen Fußspuren vom Geburtshaus zur Armenschule führt. Viel weiter reicht Hans Christian Andersens Lebensweg in Odense nicht. Als sein Vater starb, ging der 14-Jährige nach Kopenhagen, fand nach mühsamem Beginn Förderer, wollte Schauspieler werden oder Tänzer oder Sänger. Es kam anders.

Im Sommer gibt es Theater im Park

Geblieben sind seine Märchen. Einige der berühmtesten werden im Sommer über sechs Wochen in Odenses Park Eventyrhave direkt neben der Innenstadt aufgeführt – Eintritt frei. Immer dabei ist der Dichter und Erzähler selbst, seit vielen Jahre wird er von Torben Iversen gespielt. Das kindergerechte Märchenspiel im Park und die anschaulichen Originalorte bilden einen Kontrast zum neuen Museum, das sich als Kaleidoskop aus Intellekt und Emotion entpuppt. Es entzieht sich immer wieder dem Eindeutigen. Der Weg durch das Museum endet am engen, gelb gekalkten mutmaßlichen Geburtshaus des Dichters – in jedem Ende steckt ein Beginn.

Nach den Däninnen und Dänen kommen vor allem Deutsche in die Andersen-Stadt. Texte fürs Headset im Museum sind auf Dänisch, Englisch und Chinesisch verfügbar. Deutsch solle folgen, beteuert Kurator Lübker. Man suche noch nach jemandem, der oder die für die Poesie und Philosophie des Hauses den richtigen Ton finde – „jemand wie Cornelia Funke“.

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

Museumskurator Henrik Lübke testet das Headset im neuen H. C. Andersen Hus in Odense auf Fünen.

Das H. C. Andersen Hus ist nicht Odenses einzige Baustelle. Die ganze Stadt scheint umgekrempelt zu werden. Viele Jahre durchschnitt eine vierspurige Straße die Innenstadt. Jetzt wird die Trasse zum Boulevard plus Straßenbahn. Man kann das Auto getrost stehen lassen. Oder mit ihm aus der Stadt hinaus auf die Insel Fünen fahren. Zwischen Kleinem und Großem Belt sind es neben der weitläufigen Landschaft und den Hafenstädtchen mehrere Schlösser, die den Besuch lohnen.

App führt auch zu den Schlössern

Die Hans-Christian-Andersen-Trail-App führt zu 17 Orten, die in Verbindung mit dem reisenden Märchendichter stehen. Im weitläufigen Park des Wasserschlosses Egeskov blickt er heute in einen Spiegel, in Sanderumgard wurde ein großer Garten im Stil von Andersens Zeit angelegt.

Märchenhaftes Fünen – die Insel in Dänemark ist ein Geheimtipp

Viele Orte auf der Insel Fünen spielten im Leben von Hans Christian Andersen eine Rolle, dazu gehört zum Beispiel Schloss Broholm.

Die beste Geschichte um den Dichter verbindet sich mit Schloss Broholm. Dort wurde 1805 ein Junge geboren. Dessen Vater sei der 18-jährige spätere König Christian VIII. gewesen. Der Junge wurde zu armen Leuten nach Odense gegeben. Und wurde Andersen nicht in Kopenhagen vom Königshaus gefördert? War er nicht 1844 Gast des Königs auf der damals zum Teil dänischen Insel Föhr? Ach, das Leben schreibt die schönsten Märchen. Und wenn sie nicht gestorben sind, lesen wir sie noch heute …

Tipps für deine Reise nach Dänemark

Anreise:Odense auf Fünen ist mit der Bahn von Hamburg-Altona in gut drei Stunden erreichbar. Der Weg mit dem Auto führt über die A 7 und E 45, ab Hamburg sind es 310 Kilometer.

Das Museum: Der Eintritt ins H. C. Andersens Hus kostet für Erwachsene 165 Kronen (etwa 22 Euro) Eintritt, für Kinder bis 17 Jahren ist der Besuch kostenlos.

Essen: Storms Pakhus bietet in einer früheren Industriehalle (Lerchesgade 4) einen rund 3000 Quadratmeter großen Streetfoodmarkt. Dänische Küche, modern interpretiert, lässt sich nicht weit vom Museum im historischen Restaurant Oluf Bagers Gaard (Nørregade 29) genießen.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Denmark. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

Quellen

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Schließen
Schließen