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Portugals historische Dörfer: Entdecke das Land abseits der Massen

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Portugals historische Dörfer: Entdecke das Land abseits der Massen

Die Dörfer im Umfeld der Serra da Estrela waren einst mächtig umkämpft – auch Monsanto.

Portugals historische Dörfer: Geheimtipps für den Urlaub

Die Aldeias Históricas de Portugal ist eine Vereinigung von zwölf mittelalterlichen Dörfern im Land – geschichtsträchtigen Orten in der Serra da Estrela. Ein Geheimtipp? Auf jeden Fall!

KS

Katrin Schreiter

Einst waren sie heiß umkämpft: die Dörfer im Umfeld der Serra da Estrela. Immer wieder kamen Feinde, um die Orte einzunehmen. Zum Schutz wurden Mauern, Festungen und Burgen gebaut.

Längst sind die Kämpfe Geschichte, in den Dörfern ist Ruhe eingezogen. Doch die Spuren erzählen noch heute eindrucksvoll von der bewegten Zeit. Steinerne Zeugen, die es zu bewahren gilt. Deshalb hat die EU ein Programm aufgelegt, um zwölf Dörfer unter Denkmalschutz zu stellen und somit zu erhalten. Neben der baulichen Substanz geht es vor allem darum, die Abwanderung und die Überalterung der Region zu regulieren.

Schönheit und Tradition gefragt

Für die Auswahl war die kulturelle Vielfalt der Orte wichtig – dabei vor allem die Anzahl historischer Baudenkmäler sowie das Spektrum überlieferter, noch lebendiger Traditionen. Bereits 1994 wurden zehn der schönsten, aber halb verwaisten Dörfer unter Denkmalschutz gestellt: Piódão, Monsanto, Almeida, Castelo Mendo, Castelo Novo, Castelo Rodrigo, Idanha-a-Velha, Linhares da Beira, Marialva und Sortelha. Im Jahr 2000 kamen die Dörfer Belmonte und Trancoso dazu.

Die Aldeias Históricas de Portugal wurden unter architektonischen, landschaftlichen oder archäologischen Aspekten als besonders wertvoll eingestuft. Jeder Ort hat eine spezielle Geschichte, einen individuellen Baustil oder eine geografische Besonderheit.

Es gibt also viele gute Gründe, die zwölf kulturhistorischen Schätze in das individuelle Reiseprogramm aufzunehmen.

Piódão: Schiefergraue Optik

Das Dorf Piódão ist bekannt für seine Schieferarchitektur. Das für die Region typische Material wurde sowohl beim Bau der Gebäude als auch der Straßen verwendet. Das dominierende Schiefergrau findet eine farbliche Abwechslung in den blau gestrichenen Fenster und Türen einiger Häuser.

Aus den kleinen zweistöckigen Schieferhäusern ragt die weiß gekalkte Mutterkirche heraus, die Maria Empfängnis gewidmet ist. Das Gotteshaus mit seinen einzigartigen zylindrischen Strebepfeilern war im 19. Jahrhundert mit Geld von der Bevölkerung des Ortes erbaut worden.

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Piodão konnte sich das mittelalterliche Flair bis heute bewahren.

Monsanto: Fels als Dach

Monsanto gilt als das portugiesischste Dorf Portugals. Warum? Weil hier – im übertragenen Sinn – alles noch beim Alten ist. Schon allein die Architektur ist einmalig: Die kleinen Häuschen wurden zwischen die Felsen am Berghang gebaut. Dabei wurden die bestehenden Granitfelsen als Wände genutzt. In einigen Fällen hat man den Felsblock gleich zum Dach gemacht.

Eine Hauptattraktion des Dorfes ist der Lucano-Turm aus dem 14. Jahrhundert. Auch die Kirchen des Ortes sind sehenswert: die Kirche des Heiligen Antonius, ein manuelinisches Gotteshaus gleich am Ortseingang oder die Mutterkirche des São Salvador. Auf jeden Fall solltest du zur Burg hochsteigen – hier hast du eine fantastische Aussicht auf die Region.

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In Monsanto hat man in einigen Fällen den Felsblock gleich zum Dach gemacht.

Almeida: Alte Festungsstadt

Sie ist zwar eine Kleinstadt, gehört aber trotzdem zu den Aldeias Históricas de Portugal: Almeida liegt auf einer großen Hochebene oberhalb des Flusses Côa. Sie galt lange Zeit als eine der wichtigsten Festungsstädte Portugals. Besonders beeindruckend ist die 2500 Meter lange Verteidigungsanlage, die den Ort sternförmig umschließt. Sie war vor allem während der Unabhängigkeits-Kriege einer der wichtigsten Schutzwälle gegen die Angriffe der Spanier auf die Beira.

Heute ist das bau- und militärtechnische Meisterwerk ein ruhiger Ort – und kann besichtigt werden. Auch innerhalb der Festungsmauern lässt sich bei einem Bummel durch die engen Gassen der Atmosphäre früherer Zeiten nachspüren.

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Almeida galt lange Zeit als eine der wichtigsten Festungsstädte Portugals.

Castelo Mendo: Auf Siedlungsresten erbaut

Castelo Mendo wurde hoch oben auf einem Berg in verteidigungsstrategisch bedeutender Lage erbaut – auf Siedlungsresten aus der Bronze- und der Römerzeit. Der Ort ist von einer Befestigungsmauer mit sechs mittelalterlichen Toren umgeben.

Noch heute ist in Castelo Mendo die ehemalige Dorfstruktur sichtbar. Mittelalterliches Flair: Baudenkmäler wie manuelinische Herrenhäuser, Sakralbauten, Brunnen und Steinkreuze sind gut erhalten. Besonders sehenswert ist die unter Denkmalschutz stehende Burganlage aus dem 13. Jahrhundert.

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Blick über Castelo Mendo: Hier ist noch heute die ehemalige Dorfstruktur sichtbar.

Castelo Novo: Burganlage und Weinkeller

Das Dorf Castelo Novo liegt auf einer Anhöhe rund 700 Meter hoch in der Serra da Gardunha. Auch hier gibt es eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert zu bestaunen, die durch die späteren Umbauten sogar gotische Züge trägt.

Sehenswert im Dorfzentrum ist das imposante Rathaus mit seinen Bogengängen und der Terrasse sowie die Kirche Igreja Matriz mit ihren barocken, aus Granit gefertigten Fenstern und Portalen. Ein Überbleibsel aus dem früheren Dorfleben ist die Lagariça, die Kelter, ein enormer Raum, aus dem Stein geschlagen, in dem die Dorfbewohner während vieler Jahrhunderte den Wein mit ihren Füßen ausgepresst haben.

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Castelo Novo liegt auf einer Anhöhe rund 700 Meter hoch in der Serra da Gardunha. Optischer Höhepunkt: die Burganlage aus dem 13. Jahrhundert.

Castelo Rodrigo: Wandbrunnen und Zisterne

Was für ein friedliches Dorf! Kaum zu glauben, was es hier über die Jahrhunderte immer wieder für kriegerische Kämpfe gegeben hat. Heute scheint Castelo Rodrigo ganz entspannt von seiner Hügellage über das Plateau zu blicken, das sich nach Osten bis nach Spanien und nach Norden bis zum tiefen Tal des Flusses Douro erstreckt.

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Wie der Name schon sagt, steht auch hier eine Burg – sie gilt als bekanntestes Bauwerk von Castelo Rodrigo. Im Ort stehen außerdem zahlreiche weitere denkmalgeschützte Gebäude, darunter die Klosterkirche Igreja e Mosteiro de Santa Maria de Aguiar aus dem zwölften Jahrhundert, die Zisterne (Cisterna) aus dem 14. Jahrhundert sowie der barocke Wandbrunnen Chafariz da Casqueira aus dem 18. Jahrhundert.

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Castelo Rodrigo gehört zu der Vereinigung von zwölf mittelalterlichen Dörfern in Zentralportugal.

Idanha-a-Velha: Offenes Museum

Zu den wohl reizvollsten historischen Dörfern Portugals zählt Idanha-a-Velha am Ufer des Rio Pônsul. Kaum vorstellbar, dass hier einst die alte und wohlhabende römische Stadt Civitas Igaeditanorum gestanden und an der Verbindungsstraße zwischen Coimbra und Mérida eine wichtige Rolle gespielt hat.

Die militärische und strategische Bedeutung ist Geschichte. Heute lockt das Dorf Touristinnen und Touristen an, denn es erinnert mit seinen Bauwerken fast an ein offenes Museum. Besonders zu erwähnen ist die ehemalige Kathedrale von Idanha-a-Velha, die gut erhaltene römische Brücke über den Fluss Pônsul sowie die archäologische Stätte mit seltenen römischer Inschriften.

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Besonders sehenswert in Idanha-a-Velha ist die ehemalige Kathedrale.

Linhares da Beira: Historisches an jeder Ecke

Das Dorf Linhares da Beira befindet sich am Nordwesthang der Serra da Estrela. Der Ort kann auf eine äußerst lange Geschichte zurückblicken: Aufgrund seiner Lage, die gut zu verteidigen war, ist er bereits seit der Eisenzeit besiedelt.

Historisches an jeder Ecke: Die romanisch-gotische Burg stammt aus der Zeit des Königs Dionysius, der die Anlage bauen ließ. Während dieser Zeit wuchs die Ortschaft rasant: verwinkelte Gassen, niedrige Granithäuser, Gebäude mit manuelinische Fenstern und Portalen … Zu den fast 30 denkmalgeschützten Bauwerken gehören eine Reihe Herrenhäuser, Brunnenanlagen, Kirchen und frühere öffentliche Gebäude sowie Bauwerke des jüdischen Lebens im Ort.

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Die romanisch-gotische Burg in Linhares da Beira stammt aus der Zeit des Königs Dionysius, der die Anlage bauen ließ.

Marialva: Mittelalterliches Flair

Auch im Dorf Marialva, das auf einem Felsmassiv errichtet wurde, hat man schnell das Gefühl, dass die Zeit stehengeblieben ist. Besucherinnen und Besucher flanieren hier durch mittelalterliche Gassen zur stattlichen Kirche Igreja de São Tiago mit ihrem manuelinischen Portal und den barocken Altären. Die imposante Burg aus dem zwölften Jahrhundert sowie ein römischer Staudamm gehören in der Regel auch ins Besichtigungsprogramm.

Wer im Sommer in Marialva Station machen kann, sollte sich den 25. Juli vormerken. An diesem Tag feiert der ehemalige Zufluchtsort auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela noch heute den Festtag des Apostels mit dem Santiago-Markt.

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In Marialva hat man schnell das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist.

Sortelha: Markante Felsen

Sortelha gehört zweifellos zu den ältesten und schönsten Orte Portugals. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind stolz auf das mittelalterliche Erbe – zu Recht. Zu den knapp 40 denkmalgeschützten, überwiegend aus Granit errichteten Bauwerken des Dorfes gehören Kirchen, Herrenhäuser, Brunnenanlagen, zahlreiche öffentliche Gebäude, die Burganlage sowie die Stadtmauern aus dem 13. Jahrhundert.

Große Konkurrenz bekommen die Bauwerke durch zwei landschaftliche Höhepunkten: „Pedra do Beijo“ und „Cabeça da Velha“ sind ungewöhnlich geformte Granitfelsen, die beide ein außergewöhnliches Fotomotiv abgeben.

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Kopf einer alten Frau: „Cabeça da Velha“ ist einer von zwei ungewöhnlich geformten Granitfelsen in Sortelha.

Belmonte: Burg und jüdische Tradition

Der Ort Belmonte hat eine lange jüdische Vergangenheit. Er war einer der wenigen Orte, an denen sich kleine Gruppe sephardischer Juden niederließen, die nicht zum Christentum konvertieren, aber auch das Land nicht verlassen wollten (Vertreibungsedikt 1492). Der isolierten jüdischen Gemeinde gelang es über 500 Jahre im Geheimen, jüdische Bräuche und Traditionen am Leben zu erhalten.

Neben der Burg und dem Pantheon der Cabrais gehören in Belmonte auch das jüdische Museum, die Synagoge Bet Eliahu und der jüdische Friedhof zu den Sehenswürdigkeiten.

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Enge Gassen: Mittelalterliches Flair in Belmonte.

Trancoso: Haus der schwarzen Katze

Auch in Trancoso gibt es eine lange jüdische Tradition. Aufgrund seiner jüdischen Gemeinde, die insbesondere im 14. und 15. Jahrhundert große Bedeutung im Ort hatte, wurde Trancoso in die Route der jüdischen Traditionsorte aufgenommen. So befindet sich im „Casa do Gato Preto“, im Haus der schwarzen Katze, eine Sammlung jüdischer Kulturschätze.

Ein optischer Höhepunkt ist allerdings ohne Zweifel auch die mächtige Burg mit ihren 15 Türmen, von denen einst die Region bewacht wurde. Auch die Stadtmauer und die Zitadelle erinnern an längst vergangene Zeiten.

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Im Haus der schwarzen Katze in Trancoso befindet sich eine Sammlung jüdischer Kulturschätze.

In den historischen Dörfern kannst du also jede Menge entdecken und sehen. Zudem gibt es rund um die Dörfer häufig gute Wanderwege. Spannend kann auch eine Wanderung von Dorf zu Dorf sein. In den Orten kannst du in historischen Häusern übernachten und dich auf Spezialitäten der Region freuen: zum Beispiel Eintopf mit Ziegenfleisch oder gegrillte Forelle.

Quellen

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