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Projekt „Heldencamper“ ermöglicht Krebs-Erkrankten kostenlos Urlaub

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Projekt „Heldencamper“ ermöglicht Krebs-Erkrankten kostenlos Urlaub

Camping bedeutet Freiheit und für Krebspatientinnen und -patienten oftmals auch, sich die Selbstbestimmtheit nach einer Therapie zurückzuholen.

Foto: unsplash.com/Martin Kallur

Dieses Projekt verleiht gratis Camper an Krebs-Patienten

Steffie und Andrea erkranken beide früh an Krebs. Kraft für die Therapie schöpfen sie beim Camping. Diese Auszeit wollen sie auch anderen ermöglichen – und verleihen daher kostenlos Camper an Krebspatienten.

Projekt „Heldencamper“ ermöglicht Krebs-Erkrankten kostenlos Urlaub

Maike Geißler

Mit einem Roadtrip oder mit Camping assoziieren viele Menschen den Traum der absoluten Freiheit. Das Gefühl des Ausbrechens aus dem stressigen Alltag, eine Auszeit ohne festen Plan. Auch Andrea Voß und Steffie Tomczak kennen dieses Gefühl. Für sie bedeutet diese Form des Reisens aber noch viel mehr: Sie ist eine Art Therapie.

Camping für das Gefühl der Selbstbestimmtheit

„Mit der Krebsdiagnose verliert man die Hoheit über sein Leben. Es wird plötzlich fremdbestimmt durch Arzttermine und Behandlungszyklen. Da ist Camping das Gegenteil. Man bricht aus, ist absolut selbstbestimmt“, erzählt Andrea dem reisereporter. Zweimal musste die Frau aus Willich in NRW schon gegen die Krankheit kämpfen, zuletzt erkrankte sie 2009 an Lymphdrüsenkrebs.

Projekt „Heldencamper“ ermöglicht Krebs-Erkrankten kostenlos Urlaub

Andrea Voß ist im Reisefieber. Mit Merchandise finanzieren sie einen kleinen Teil des Projektes.

Camping wird ihr Ritual: „Kurz vor einer Therapie fuhr ich zum Zelten nach Holland an die Nordsee.“ Das Meer zu sehen und zu riechen, den Wellen zu lauschen und die Füße im Sand zu spüren: Daraus schöpft sie Kraft, das Gefühl von Stärke und Hoffnung. Sie würde auch die nächste Behandlung meistern. 

2016 gründet Andrea den Verein Wir können Helden sein e.V. Sie sammelt Spenden, um anderen Krebspatientinnen und -patienten beispielsweise den Besuch von Konzerten oder Festivals zu ermöglichen. So wird auch Steffie Tomczak auf Andrea aufmerksam.

Die Frau aus Leipzig arbeitete im PR-Bereich, wollte Karriere machen. Doch dann der Bruch: Sie erkrankt an Morbus Hodgkin. „Im Krankenhaus trifft man wenige junge Patientinnen und Patienten“, erzählt sie. Im Internet sucht sie nach Infos und nach Austausch – und stößt auf Andrea, die auf ihrem Blog und in sozialen Medien von ihren Erfahrungen und ihrem Projekt berichtet.

Steffie ist begeistert von der Energie und Lebensfreude der Älteren und bietet ihre Unterstützung beim Marketing und der Verbreitung ihrer Projekte an. „Geld zum Spenden hatte ich nicht, aber ich wollte gern helfen“, sagt Steffie. Über Gespräche entdecken die zwei Frauen eine gemeinsame Leidenschaft: das Camping.

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Auch die Leipzigerin zieht es immer wieder raus in die Natur, am liebsten mit Hund Sunny. „Ich bin nicht der Typ für All-inclusive, ich liebe die Freiheit“, sagt sie. „Beim Camping kann ich fahren, wohin ich will, schlafen, wo ich will, und bleiben, solange ich will.“ Dieses Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmtheit wollen sie auch anderen Menschen schenken. Und so gründen sie 2018 das Projekt Heldencamper, das sich aus Spenden und Sponsorengeldern finanziert.

Eine ganze Flotte für Camper-Fans

Der erste Bulli heißt passenderweise „Hope“, Hoffnung. Der Renault Master ist ein Selbstausbau, mit Küche, Sitzecke und Bett. Inzwischen haben die zwei Frauen eine Mini-Flotte aus Vans und Wohnwagen – alle individuell umgebaut und ausgestattet: einen Van mit Dachzelt namens „Faith“, Bulli „Cori“ sowie die Wohnwagen „Harriet“ und „Lucky“. Außerdem wurde den Frauen kürzlich eine Parzelle mit Wohnwagen am Riegsee in Bayern gespendet.

Mit den Fahrzeugen ist alles möglich: vor der nächsten Chemophase einen Kurztrip ans Meer unternehmen. Nach der Therapie einen Roadtrip machen und ein Traumziel von der Bucket List streichen. Eine kleine Auszeit vom Alltag einlegen und ein Wochenende im Wohnwagen entspannen.

Projekt „Heldencamper“ ermöglicht Krebs-Erkrankten kostenlos Urlaub

Mitten in einem Wald-Idyll steht der umgebaute neue Helden-Wohnwagen im Münsterland.

Neben der Auszeit für Krebspatientinnen und -patienten hat das Projekt ein weiteres Ziel: „Wir wollen das Thema Krebs aus der Tabuzone holen und die Menschen mit positiver Energie erreichen“, sagt Steffie. Deswegen verstecken die Camper das Thema auch nicht – sie sind bunt angesprayt, „be strong“ und „travelling against cancerׅ“ ist auf einem zu lesen.

Kostenlos den Camper mieten

Wer einen der Camper mieten will, kann das über das Buchungstool auf der Website tun. Die nötigen Versicherungen und ein Navi mit eingespeicherten Campingplätzen gibt’s kostenlos, Sprit und Verpflegung müssen selbst bezahlt werden. Auch Begleitpersonen zahlen einen Obulus.

Etwa 50 Menschen sind bereits mit einem der Fahrzeuge gereist – Andrea und Steffie nennen sie „unsere Helden“. „Viele schicken von unterwegs Videos vom Meer oder den Bergen, und sagen, wie sehr ihnen die Reise hilft, aus dem Therapiealltag rauszukommen und Kraft zu schöpfen“, sagt Andrea. Diese Momente seien es, die sie antreiben, auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden.

So wie die Corona-Krise, in der Sponsoren wegen wirtschaftlicher Probleme abspringen und die Campingplätze dicht sind. Seit einem Jahr ist kaum jemand mit einem der Camper gereist. Aber ans Aufgeben denken die beiden Frauen nicht, im Gegenteil.

Ihr neuestes Projekt starteten sie im Juni 2020: Im Münsterland ist ein Rückzugsort entstanden für Camping-Fans, die nicht selbst fahren können oder wollen. Das „Heldenwäldchen“ befindet sich auf dem Campingplatz Naturpott Borkenberge, dort stehen zwei feste Wohnwagen.

Als nächstes wollen Andrea und Steffie, wenn genügend Geld da ist, einen weiteren Van anschaffen. Damit noch mehr Menschen eine Auszeit vom Krebs-Alltag nehmen können.

Das Projekt Heldencamper wird durch Spenden und Sponsoren finanziert. Wer Andrea und Steffie unterstützen möchte, kann das über ihre Website tun oder sich via Instagram melden.

Quellen

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