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Usbekistan: Zwischen Traditionen und Zukunft

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Usbekistan: Zwischen Traditionen und Zukunft

Die beiden Frauen, die gerade an Kissenhüllen arbeiten, gehören zu den 18 Stickerinnen, die in einer Textilwerkstatt in einer ehemaligen Medrese in Chiwa beschäftigt sind.

Reise nach Usbekistan: Zwischen Traditionen und Zukunft

In Usbekistan herrscht vielerorts noch eine archaische Rollenverteilung. In einigen Bereichen ändert sich das allmählich. Dennoch halten auch junge, unabhängige Frauen an ihrem Rollenbild vehement fest.

LN

Lisa Neumann

Im Hinterhof einer einstigen Medrese, einer ehemaligen Koranschule, taucht die Sonne Teppiche und Kissenbezüge in die prachtvollsten Farben. Auf einer typisch usbekischen Holzbank, die eher an ein großes Bett erinnert, liegen einfache, beigefarbene Kissenbezüge. Über den Streben des Baldachins hängen viele bunte Fäden – Seidenfäden. Auf den Tischen, die um die Bank stehen, stapeln sich bereits fertige Kissenhüllen. Wir befinden uns in einer Textilwerkstatt in Chiwa, einer Oasenstadt in der usbekischen Wüste ganz im Westen des Landes.

Stickerinnen und Teppichknüpferinnen arbeiten in einer Kooperative

18 Stickerinnen und 35 Teppichknüpferinnen arbeiten in dieser Kooperative. Akkurat und mit spitzen Fingern ziehen die Frauen die dünnen Fäden durch den Stoff. Die Sonne brennt. Nach einiger Zeit gehen die Frauen ins Innere, wo es angenehm kühl ist. Denn sie müssen noch ein paar Stunden arbeiten. Viel verdienen sie damit nicht, umgerechnet etwa 100 Euro pro Monat. Zum Vergleich: ein Staatsdiener, etwa ein Lehrer oder ein Polizist, verdient circa 500 Euro. Aber es ist eine Beschäftigung. Teppiche und Kissen werden später verkauft, meist an Touristen.

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In der Oasenstadt Chiva hat sich im Hinterhof einer ehemaligen Koranschule eine Kooperative eingerichtet.

Ohne hochzuschauen, setzen die Frauen einen Stich nach dem anderen, im Augenblick ziehen sie einen blauen Faden durch den beigefarbenen Stoff. Die Seidenfäden für die Baumwollkissen haben sie selbst gefärbt, mit Kobalt, Granatapfel oder Walnüssen. Etwa zwei bis drei Zentimeter Stickarbeit schaffen sie am Tag. Das scheint mühselig. Im Schneidersitz hocken sie auf einem Teppich und beugen sich über die Kissenbezüge. Alle halbe Stunde machen sie eine kurze Pause, dann geht’s weiter.

Zauber der Seidenstraße soll Reisende ins Land locken

Der Zauber der Seidenstraße soll die Touristen nach Usbekistan locken. Das möchte auch Shavkat Mirziyoyev, der seit Dezember 2016 Präsident der Republik ist. Er möchte den ehemaligen Sowjetstaat öffnen – mithilfe des Tourismus. Auch viele der Einwohner wollen dazu beitragen – zum Beispiel Dilafrös und Oydin. Die beiden Studentinnen wollen, wie alle anderen Usbeken, die wir während unseres Aufenthaltes treffen, ihre Nachnamen nicht nennen – weil sie fürchten, dass das negative Folgen für sie haben könnte.

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Die Usbekinnen Dilafrös (linsk) und Oydin lernen die deutsche Sprache damit sie später im Tourismus arbeiten können.

In Buchara, einer weiteren Stadt des Unesco-Weltkulturerbes und unserer nächsten Etappe, schließen sich uns die beiden Mädchen an. Eine in für Usbekistan moderner und westlicher Kleidung, mit schwarzer Hose und Pullover, die andere ausgehfein geschminkt und in einem samtgrünen Kleid, mit hohen Schuhen und Sonnenbrille.

Die beiden sind Germanistikstudentinnen und haben gehört, dass wir Deutsch sprechen. „Unsere Lehrerin hat gesagt, dass wir Deutsch sprechen sollen“, erklärt Dilafrös (19). Die beiden wollen üben und suchen das Gespräch. Immer in der Hand von Oydin: ein deutsch-usbekisches Wörterbuch von 1992. Seit zwei Jahren lernen sie Deutsch. Später wollen sie Fremdenführerinnen werden und Touristen ihr Land zeigen.

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Der Registan-Platz gilt als das Herz von Samarkand. Er ist von drei Medresen umgeben.

Etwa 18.000 Menschen kommen jedes Jahr aus Deutschland nach Usbekistan – an die ehemalige Seidenstraße. Das Land mitten in Zentralasien, in dem an etwa 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, ist nur sechs Flugstunden von Deutschland entfernt. Im ersten Moment macht es in Bezug auf Frauen einen liberalen Eindruck. Doch durch die westliche Brille betrachtet wirken vor allem das Verhältnis zu und der Umgang mit Männern archaisch.

Wenn man mit 24 oder 25 Jahren noch nicht verheiratet ist, … mhh … das ist nicht gut.“

Yegana, Studentin

„Wenn man mit 24 oder 25 Jahren noch nicht verheiratet ist, … mhh …  das ist nicht gut“, erzählt Yegana bei einem Spaziergang in der Hauptstadt Taschkent. Geheiratet wird in Usbekistan etwa ab 18 Jahren. Je älter das Mädchen ist, desto schlechter stehen die Chancen, dass ihre Eltern sie noch verheiraten können. Etwa 70 Prozent der usbekischen Ehen werden arrangiert. Zwar gibt es auch Liebeshochzeiten, aber deutlich seltener.

Auch junge Frauen halten an den Traditionen fest

Yegana ist 24 Jahre alt. Die Studentin plant, in naher Zukunft zu heiraten – weiß nur noch nicht, wen. Betrübt wirkt sie dabei nicht. Es ist normal. Sie kennt es nicht anders. Ebenso wie Dilafrös und Oydin möchte auch sie Dolmetscherin werden. Während ihres Studiums hat sie ein Jahr in Deutschland verbracht und so ein anderes Leben kennenlernen können. Dennoch hält sie oder vielmehr ihre Familie an alten Traditionen fest.

Ab einem gewissen Alter, so erzählt Yegana, zeigen die Eltern ihren Sprösslingen ein Bild von einem heiratswilligen jungen Partner. Wenn man Glück hat, fragen die Eltern nach der Meinung. „Doch nach zwei, drei Fotos sollte man schon Ja sagen“, erzählt Jamil, ein Kommilitone von Yegana. Danach treffen sich die Eltern des angehenden Ehepaares und besprechen grundlegende Dinge. Drei Treffen gibt es. Wenn alles gut geht, wird danach Verlobung gefeiert.

Auch wenn sie von zu Hause ausgezogen ist und keine Nachbarn oder Verwandte sie in der großen Stadt überwachen können, trifft sich Yegana nicht mit Männern. Wenngleich die ungeschriebenen Verhaltensregeln in einer Großstadt lockerer gesehen werden als auf dem Land. „Ich mache das nicht“, sagt Yegana.

Das Verliebtsein bleibt nicht aus

Ganz lässt sich der Kontakt aber nicht vermeiden. „Es gibt da jemanden aus der Uni, der würde mich heiraten“, weiß die Studentin, „er müsste nur zu meinen Eltern gehen und sie fragen“, sagt sie. Aber ob er so mutig ist? Das kann sie nicht sagen. Auch das Verliebtsein bleibt bei den jungen Menschen eben nicht aus.

Trotz des restriktiven Konzepts der Heiratsvermittlung ist Usbekistan ein offenes, freundliches und sicheres Land, das sich zum Westen orientiert, aber gleichzeitig sein orientalisches Flair behält. Vor allem durch die traditionelle Mode der Frauen, bunt und glitzernd, sowie die Architektur der Medresen und Moscheen, die in der Sonne durch ihre blau verzierten, hohen Fassaden wie aus „1001 Nacht“ erscheinen.

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Vor allem die Frauen in Usbekistan – wie diese in traditioneller Kleidung vor einer Medrese – sind offen und freundlich. Das sie selbst ein interessantes Fotomotiv sein könnten, finden sie sehr amüsant.

Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen ist vor allem bei den älteren Frauen bemerkbar. Wir stehen vor einer Medrese und bestaunen noch die wundervoll verzierte blaue Fassade, als wir vier Frauen entdecken, die auf den Stufen davor im Schatten sitzen. Sie unterhalten sich und lachen fröhlich. Wir lächeln uns an und versuchen, uns trotz aller Sprachbarrieren auszutauschen: „Alemania.“ – „Ahh.“ So einfach kann es gehen.

Tipps für deine Reise nach Usbekistan

Anreise: Uzbekistan Airways bietet Flüge von Frankfurt am Main nach Taschkent an.

Einreise: Seit Anfang 2019 reisen deutsche Staatsangehörige visumfrei nach Usbekistan ein.

Beste Reisezeit: Für Reisen nach Usbekistan eignen sich vor allem die Monate Mai und Juni sowie September bis November. Im Sommer können es mehr als 40 Grad Celsius werden.

Veranstalter:Gebeco bietet verschiedene Privat-oder Gruppenreisen an. Dazu gehört auch die elftägige Kleingruppenreise „Faszinierendes Usbekistan“, buchbar ab 1795 Euro pro Person im Doppelzimmer (inklusive Anreise). Zum Programm gehören unter anderem Besuche der Oasenstädte in der Wüste, eine Nacht in einer Jurte am Aydarsee und ein Besuch bei einer usbekischen Familie.

Essen: Wer die Chance hat, an einem traditionellen Essen bei einer Familie teilzunehmen, sollte diese unbedingt wahrnehmen. Vielleicht gibt es dann auch das Nationalgericht Plov, einen Eintopf mit Reis, Fleisch, Karotten, Kümmel und Wachteleiern.

Währung: In Usbekistan bezahlt man mit Som. Der Wechselkurs beträgt etwa 1 zu 100.

Die Reise wurde unterstützt von Gebeco und Uzbekistan Airways. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

Quellen

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