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Verlorene Paradiese: Diese Naturwunder haben ein Ablaufdatum

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Verlorene Paradiese: Diese Naturwunder haben ein Ablaufdatum

Sich auf dem Wasser treiben lassen: Das ist im Toten Meer möglich. Aber wie lange noch?

Verlorene Paradiese: Naturwunder mit Ablaufdatum

Schmelzende Gletscher, sterbende Ökosysteme und ertrinkende Paradiese: Diese Naturwunder sind aufgrund des Klimawandels und durch menschliche Eingriffe bedroht. Eine traurige Liste.

Verlorene Paradiese: Diese Naturwunder haben ein Ablaufdatum

Janin Minkus

Manches nimmt man als gegeben hin, zum Beispiel das Baden im Toten Meer oder den Besuch in artenreichen Wäldern und Nationalparks. Auch eine pinguinreiche Antarktis gehört zur Selbstverständlichkeit. Doch der Klimawandel und der Eingriff des Menschen in die Natur werden sichtbarer. Sie verändern nicht nur Ökosysteme, sondern auch unser Weltbild. 

Auch atemberaubende Sehenswürdigkeiten der Natur und traumhafte Urlaubsdestinationen sind auf dem Weg zu verschwinden. Manchen Naturwundern wird noch eine Lebensspanne von mehreren Generationen vorausgesagt, andere könnten schon in ein paar Jahren vollständig verschwunden sein. Der reisereporter präsentiert euch eine traurige Auswahl.

1. Malediven

Weiße Pulversand-Strände, blaue Lagunen und eine kunterbunte Unterwasserwelt machen den Inselstaat im Indischen Ozean für viele Urlaubende zu einem Traumziel. Doch dass der höchste Punkt der Malediven nur gut 2,4 Meter über dem Meeresspiegel liegt, wird zum Problem, da dieser als Folge der Erderwärmung immer weiter ansteigt. Auf Planet Wissen ist zu lesen, dass man davon ausgeht, dass die Inselgruppe zum Jahr 2100 größtenteils überflutet sein wird. 

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Durch die Erderwärmung sollen die Malediven bis 2100 größtenteils überflutet sein.

Auch die durch den Klimawandel gestiegene Gefahr in Form von Stürmen und Sturmfluten gefährdet den Inselstaat. Und damit nicht genug der Probleme.

Die Korallenriffe, für die das Urlaubsparadies bekannt ist, hat der Klimawandel schon jetzt schwer getroffen. Ihre Funktion als Wellenbrecher und Schutz vor Fluten können sie nur in intaktem Zustand erfüllen. Vielfach leiden die Korallenstöcke der Riffe allerdings an der Krankheit Korallenbleiche, die als Folge der Meereserwärmung auftritt. 

2. Das Tote Meer

Schwerelos auf dem Wasser treiben, das geht besonders gut im Toten Meer aufgrund seines Salzgehalts. Geografisch grenzt das Tote Meer an Israel, Jordanien und das Westjordanland und sein wichtigster Zufluss ist der Jordan. 

Das Binnenmeer ist mit einem Salzgehalt von 30 Prozent zehnmal salzhaltiger als das Mittelmeer und gilt als salzhaltigster See der Welt. Die besondere Zusammensetzung der Mineralstoffe im Wasser lockt neben Touristinnen und Touristen auch viele Personen mit Hauterkrankungen an, die ihre Beschwerden bei Badekuren lindern. 

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Nur noch 50 Jahre geben Wissenschaftler dem Toten Meer, wenn nicht bald gehandelt wird.

Lange wird das Kur- und Schwebevergnügen jedoch nicht mehr erlebbar sein, denn der Wasserspiegel nimmt pro Jahr um einen Meter ab. Die Folge sind Krater und verschluckte Straßen und Campingplätze im Uferbereich des Sees. Auch die Tier- und Pflanzenwelt um das Tote Meer ist bedroht. Mit dem Sinken des Wasserspiegels versiegen Quellen, die Oasen und Lebensräume schaffen.

Grund für den sinkenden Wasserspiegel ist der erhöhte Wasserbedarf, für den Wasser aus dem Jordan abgepumpt wird. Vor allem der Bedarf für den wasserintensiven Anbau von Nutzpflanzen wird kritisiert. Ob es eine Lösung für das Tote Meer gibt, wird sich in der Zukunft zeigen müssen. Ohne Gegenmaßnahmen geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Gewässer noch 50 Jahre Lebenszeit.

3. Amazonas-Regenwald

Der Amazonas-Regenwald gilt als Naturwunder mit unzähligen Tier- und Pflanzenarten. Doch der als artenreichster Ort der Welt bekannte Regenwald ist am Wendepunkt angelangt. Seit über 20 Jahren wird über die schädlichen Folgen der Rodung diskutiert, Rettung nicht in Sicht.

Erst 2020 berichtete das brasilianische Weltrauminstitut Inpe von einer Steigerung der illegalen Rodung im Zeitraum von August 2019 bis Juli 2020 um 34 Prozent. Von August 2020 bis Juli 2021 gab es dann abermals eine Steigerung um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

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Um Rinderweiden zu errichten, muss der Regenwald abgeholzt werden. Auch der Fleischkonsum in Deutschland ist ein Grund dafür.

Die grüne Lunge der Erde, als die der Amazonas-Regenwald auch bezeichnet wird, ist durch die massive Rodung geschwächt und einer neuen Studie zufolge haben drei Viertel des Waldes an Widerstandskraft verloren. Forschende äußern die Sorge, dass sich große Flächen des Amazonasgebiets in Savannen verwandeln könnten – mit unabsehbaren Folgen für das Weltklima. Auch der deutsche Fleischkonsum trägt eine Mitschuld an der massiven Abholzung.

4. Antarktis

Denkt man an die Antarktis, tauchen unweigerlich Bilder von watschelnden Pinguinen vor dem geistigen Auge auf. Fünf der weltweit 18 Pinguinarten kommen ausschließlich in der Antarktis vor.

Doch die Eiswelt am südlichen Ende der Welt macht auch mit bedrückenden Zahlen Schlagzeilen: Im März 2022 wurden in der Antarktis Rekordtemperaturen gemessen. Mehr als 30 Grad Celsius höher als für die Jahreszeit üblich, so berichtet die  „FAZ“. 

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Die Königspinguine der Antarktis sind vom Klimawandel bedroht: Ihnen ist es zu warm geworden.

In den vergangenen 70 Jahren hat der Klimawandel besonders die Westantarktis stark erwärmt, heißt es beim Umweltbundesamt. Die Folge sind brechende Eisberge und der Anstieg des Meeresspiegels.

Die Erwärmung des Meerwassers führt außerdem zu Veränderungen der Unterwasserwelt: Die Krillbestände schwinden und bringen Kettenreaktionen in Gang. So wird beispielsweise der Rückgang des Zügelpinguins auf den Mangel seiner Hauptnahrungsquelle Krill zurückgeführt.

5. Glacier National Park

Im Glacier National Park in Montana in den USA macht sich der Klimawandel schon jetzt deutlich bemerkbar. Am Ende des 19. Jahrhunderts zählte man hier noch 150 Gletscher, heute sind es lediglich 25. Bereits für das Jahr 2030 rechnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler damit, dass der Park gletscherfrei seind wird. Die gestiegenen Temperaturen und längeren heißen Sommer ohne Niederschlag beschleunigen das Schmelzen. 

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Seen statt Gletscher: Der Klimawandel ist im Glacier National Park besonders sichtbar.

An verschiedenen Aussichtspunkten im Park sind Fotos aufgestellt, die den Park in den Achtzigerjahren an genau derselben Stelle zeigen. Besucherinnen und Besucher blicken jetzt statt auf Gletscher auf Geröll und Felsen, an mehreren Stellen haben sich Seen gebildet. Mit dem Schwinden der Wasserreservoire wird auch die Wasserversorgung in Montana gefährdet und die Tier- und Pflanzenwelt verändert.

6. Everglades

Das größte Sumpfgebiet der USA im Bundesstaat Florida ist stark vom Klimawandel betroffen. Das Gebiet, das unter anderem für seine Alligatoren bekannt ist, ist 600.000 Hektar groß und die Heimat von über 2000 Tier- und Pflanzenarten.

Da unter anderem der ansteigende Meeresspiegel das Ökosystem und auch die Trinkwasserversorgung für mehr als acht Millionen Bewohnerinnen und Bewohner Floridas gefährdet, hat das Weiße Haus ein Hilfsprogramm in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar beschlossen, um das Wassermanagement zu verbessern.

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Gefährdetes Ökosystem: Können die Everglades in den USA noch gerettet werden?

Bereits im Jahr 2000 war ein milliardenschweres Projekt rund um das riesige Sumpfgebiet verabschiedet worden, allerdings ohne Erfolg. Der Park steht seit 1993 fast durchgängig auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten der Unesco.

7. Madagaskar

Papageien, Chamäleons, Mausmakis, madagassische Lemuren – auf Madagaskar findet sich eine einzigartige Tierwelt, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. 90 Prozent der Wirbeltiere hier sind endemisch. Dasselbe gilt für die Pflanzenwelt der Insel. Doch das wird bald der Vergangenheit angehören.

Die Wälder schrumpfen, viele Tier- und Pflanzenarten sind massiv vom Aussterben bedroht. So berichtete „Der Spiegel“ bereits 2014, dass 40 Prozent der Reptilienarten vom Aussterben bedroht sind. Durch den Klimawandel und die Abholzung des Regenwaldes geht es außerdem den Primaten an den Kragen: Bis zum Jahr 2080 könnte ihr Lebensraum vollständig zerstört sein, berichtet „National Geographic“. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

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Der Lebensraum der Lemuren auf Madagaskar schwindet. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Neben Indien und Bangladesch bekommt Madagaskar die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten zu spüren. Zu wenig Niederschlag, Stürme, Buschfeuer, Überschwemmungen und Dürren vernichten die sowieso geringe Ernte. 2021 erlebte der Inselstaat die schwerste Dürre seit 40 Jahren. 

Die Kombination aus Abholzung und Klimawandel könnte auf Madagaskar nach der Berechnung von „Natur Climate Change“ innerhalb der nächsten 60 Jahre zum kompletten Verschwinden des Regenwaldes und damit zahlreicher Lebensräume führen.

8. Great Barrier Reef

Es ist das größte Korallenriff der Welt. Das Great Barrier Reef an Australiens Nordostküste ist 2300 Kilometer lang und besteht aus fast 3000 Einzelriffen. Das Riff beeindruckt mit 400 Korallenarten, 1500 Fischarten und 4000 Weichtieren.

Doch das Weltnaturerbe Great Barrier Reef leidet seit Jahrzehnten an den Folgen des Klimawandels. Zu hohe Wassertemperaturen lösen seit 1998 immer wieder die Krankheit Korallenbleiche aus. In den letzten 25 Jahren soll bereits die Hälfte der Korallen verschwunden sein. Ein weiteres Problem sind Seesterne, die Korallen fressen. Die Seesterne können sich durch die Abwässer aus der Landwirtschaft stark vermehren.

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Naturwunder mit Ablaufdatum: Ist das Great Barrier Reef noch zu retten?

Im März 2022 löste eine Hitzewelle im Norden von Queensland den sechsten intensiven Befall aus. In Zahlen bedeutet das, dass die Wassertemperatur zwischen einem halben und vier Grad über dem März-Durchschnitt gelegen hat. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass bis zum Jahr 2100 nicht mehr viel von dem Naturparadies übrig sein wird. 

Quellen

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