Reisen

Von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried wanderte 3442 Kilometer durch Deutschland!

Newsletter abonnieren

Von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried wanderte 3442 Kilometer durch Deutschland!

165 Tage hat Enno Seifried gebraucht, um die 3400 Kilometer im Zickzack-Kurs von der Nordsee bis in die Alpen zu wandern.

3442 Kilometer zu Fuß! Enno wanderte von Sylt bis in die Alpen

Zu Fuß von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried ist 3442 Kilometer und 165 Tage durch Deutschland gewandert. Er weiß: Das Land vor unserer Haustür ist alles andere als öde – davon zeugen die Abenteuer seiner Reise.

Von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried wanderte 3442 Kilometer durch Deutschland!

Brigitte Vetter

Er wurde von Gewittern am Strand überrollt, von Pferden verfolgt, erkundete Burgen, Gedenkstätten und natürlich die Landschaften Deutschlands. 165 Tage lang ist der Leipziger Enno Seifried vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt der Bundesrepublik gewandert, von Sylt bis in die Alpen an die Grenze zu Österreich. Dabei hat er 3442 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. 

Mit Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher, Filmausrüstung und etwas Kleidung brach der Filmemacher aus Leipzig im Mai 2019 auf. In seinem Dokumentarfilm „Deutschland zu Fuß“ und dem gleichnamigen Buch, das nun erschienen ist, zeigt er, warum wir für echte Abenteuer nicht immer ans Ende der Welt reisen müssen. Er wollte vor allem die vielfältige Natur Deutschlands entdecken und entzog sich daher größtenteils dem Getümmel der Menschenmassen von Großstädten. 

3442 Kilometer zu Fuß – im Zickzack-Kurs durch Deutschland

Von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried wanderte 3442 Kilometer durch Deutschland!

Vom Start an der Nordsee ging es zuerst an die Ostsee, dort wurde Enno von einem Gewitter überrollt.

Dennoch traf er hin und wieder Freunde oder neue Menschen. Kurze Ausschnitte in dem Film zeigen beispielsweise, wie er sich am Kummerower See mit einem campenden Russen betrinkt oder sich von einem niederländischen Schuhmacher die Schuhe neu besohlen lässt. Für viele Menschen, die er unterwegs traf, war Enno aber selbst ein Phänomen: „Wenn ich erzählte, ich sei schon 500 Kilometer gelaufen, waren die Leute begeistert. Als es 2000 waren, begegneten sie mir sehr erstaunt. Als ich dann die 3000 geknackt hatte, hielten mich die meisten für verrückt“, sagt er im Gespräch mit dem reisereporter.

Seine Route führte Enno im Zickzack durch Deutschland, von der Nordsee aus zunächst Richtung Ostsee, dann Richtung tschechische Grenze, durch den Thüringer Wald, entlang der Saarschleife und dem Bodensee bis in die Alpen. 

Er habe sie vor der Wanderung nur grob zusammengestellt. „Während der Reise überraschte ich mich immer wieder selbst, indem ich die genaue Route nur von Woche zu Woche plante“, so der Wanderer. Zwar sei er auch auf ausgeschilderten Fernwanderwegen gelaufen, aber: „Das war nicht mein Anspruch. Den eigenen Weg zu finden kam mir spannender vor.“ Langweilig wurde ihm unterwegs nie, im Gegenteil.

Von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried wanderte 3442 Kilometer durch Deutschland!

Diese Route ist Enno Seifried durch Deutschland gewandert.

Drohender Erdrutsch, gefährlicher Klettersteig und viele Blasen

Bereits zu Beginn der Reise erlebte Enno die Macht der Naturgewalten: Nach einer Nacht am Weststrand auf dem Darß braute sich ein heftiges Unwetter über der Ostsee zusammen, Blitze schossen hinab und Donner krachten. Hinter Enno befand sich die Steilküste, daher lief er eng an den Felsen am Strand entlang. „Als würde direkt neben mir ein Atomkraftwerk explodieren“, so beschreibt er die Situation im Film.

Zum Angebot

Sein gefährlichstes Erlebnis aber überstand er am Südufer des Bodensees. Nach Erdrutschen in den vergangenen Jahren ist dort der Wanderweg gesperrt, darauf weisen auch Schilder hin. Doch Enno stapfte trotzdem durch das Geröll- und Schlammfeld – und bereute es prompt. „Spätestens, als dann auch noch Dauerregen einsetzte, fand ich das nicht mehr so mutig und lustig. Ich war heilfroh, dass ich am Ende der Strecke ankam und nicht den steilen Hang aus Matsch runtergesegelt bin“, erinnert er sich.

Von Sylt bis in die Alpen: Enno Seifried wanderte 3442 Kilometer durch Deutschland!

Bildergalerie
Enno Seifried wandert zu Fuß durch Deutschland

9 Bilder

Auch ein Klettersteig in den Alpen machte ihm zu schaffen: „Er wurde von Schritt zu Schritt gefährlicher, bis zu dem Punkt, an dem ich feststellte, dass die angebrachten Sicherungen einige 100 Meter unter mir lagen. Auf dieser Strecke wusste ich teilweise weder vor noch zurück und überlegte sogar kurz, meinen Rucksack abzuwerfen. Aber Ende gut, alles gut.“

Weniger gefährlich, aber ziemlich unangenehm waren die Auswirkungen durch das Laufen auf seine Füße. „In den ersten zwei Monaten bildeten sich die Blasen schon übereinander. Aber der Mensch gewöhnt sich an alles. Ich experimentierte viel mit Socken, verschiedenen Einlegesohlen und offenbar hatte ich irgendwann meine persönliche Zauberformel gefunden“, sagt Enno. Ans Aufgeben habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht. Allein der Gedanke, die Möglichkeit zu haben, diese Tour zu machen, habe ihn durchhalten lassen.

Kleine Auszeiten in Hotels und den Städten Deutschlands

Die meisten Nächte verbrachte der 42-Jährige im Freien, unter sternenklarem Himmel mitten in der Natur. Doch mindestens einmal pro Woche kehrte er in einem Hotel oder einer Ferienwohnung ein, um die Powerbank für die Kamera und alle Akkus zu laden. „Die warme Dusche und das weiche Bett waren dann der Luxus, den ich heimlich genoss“, verrät er dem reisereporter.

Bei gelegentlichen Ausflügen in die Städte Deutschlands gönnte er sich oft zwei Stück Torte und einen Eisbecher. Denn ansonsten lebte er nur vom Proviant in seinem Rucksack, mit dem er vier bis fünf Tage auskam. „Auf so einer Tour hat man ständig Hunger. Man kann gar nicht so viel essen, wie man Kalorien verbrennt. So hatte ich am Ende der Tour zwölf Kilo abgenommen“, berichtet Enno.

„Es wäre traurig, mit so einem unerfüllten Vorhaben zu sterben“

Für Enno war es nicht die erste lange Wanderung durch Deutschland, 2017 lief er schon einmal zu Fuß 700 Kilometer durch den Harz. Menschen, die einen ähnlichen Traum haben oder sich eine Auszeit gönnen wollen, empfiehlt er, ihre Vorhaben auch umzusetzen. Denn er ist der Meinung: „Es wäre traurig, mit so einem unerfüllten Vorhaben zu sterben.“

Ob er seinen Traum auch zu Pandemie-Zeiten so umgesetzt hätte, in der ein spontaner Besuch im Café oder Hotel nicht so einfach gewesen wäre? Wie es unter diesen Bedingungen gelaufen wäre, darüber möchte er nicht nachdenken. Vielmehr sollte „jeder Einzelne von uns sein Bestes geben, dass wir diese Situation so schnell wie möglich unter Kontrolle bekommen. Das Leid der Erkrankten und ihrer Angehörigen, der Dornröschenschlaf der Theater, Kinos, Clubs und Kneipen, das ist alles unfassbar traurig und anstrengend.“

Quellen

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Schließen
Schließen