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Warum das Leben im Camper glücklich macht – auch ohne Luxus

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Warum das Leben im Camper glücklich macht – auch ohne Luxus

Eigentlich wollte Marion Hahnfeldt nur für drei Monate im Caravan wohnen – doch es wurden einige Monate mehr.

Leben im Caravan: Wie Dauer-Urlaub, aber ohne Luxus

Wie lebt es sich in einem Camper auf sieben Quadratmetern ohne fließend Wasser und Klo? Die Journalistin Marion Hahnfeldt hat es eineinhalb Jahre lang ausprobiert – und ein Buch darüber geschrieben.

Warum das Leben im Camper glücklich macht – auch ohne Luxus

Petra Haase

Alles begann mit einem neuen Job vor drei Jahren. Marion Hahnfeldt kam von Lübeck nach Hannover und war es leid, auf Wohnungssuche zu gehen. Die Idee: Leben im Camper. Für drei Monate. Denn solche Abenteuer hat die Buchautorin schon häufiger gemacht: drei Monate auf einer Hallig, drei Monate durch die USA, drei Monate auf den Spuren deutscher Auswanderer in Amerika.

Aus drei Monaten wurden eineinhalb Jahre im Chateau Chiara 450, Baujahr 1994, 607 Zentimeter lang, 210 Zentimeter breit. Sie nennt es „Sieben Quadratmeter Glück“. Wir haben mit Marion über ihre Erfahrungen gesprochen.

Was haben Familie und Freunde zu dem Plan gesagt?

Meine Mutter war zunächst etwas irritiert, sie hatte sich für ihre Tochter wohl was Besseres vorgestellt. Aber sie hat es tapfer ertragen. Der Rest der Mannschaft fand es dann eher spannend.

Aber du hast dich dennoch schwer damit getan, deinen neuen Kollegen zu sagen, dass du auf einem Campingplatz wohnst.

Ja, ein Leben auf dem Campingplatz ist schon eher ein Stigma, es ist bis heute gesellschaftlich nicht so anerkannt. Ich hab dann tatsächlich oft gesagt: Ich hab’ eine kleine Wohnung.

Warum das Leben im Camper glücklich macht – auch ohne Luxus

Im Camper hatte Marion Platz zum Essen, Arbeiten und Wohlfühlen.

Was waren denn anfangs die Herausforderungen, sich auf sieben Quadratmeter zu verkleinern?

Es waren es vor allem praktische Dinge. So musste ich erst einmal herausfinden, wie so ein Camper wirklich funktioniert: Wie baut man das Bett auf? Wie entzündet man das Gas? Wie schließt man die Gasflasche an? Wie funktioniert die Heizung? Und man lernt, sich zu disziplinieren, anderenfalls endet man schnell im Chaos. Der Platz ist doch sehr gering. Stichwort Heizung. Die hat ja oft nicht funktioniert, und das im Herbst und Winter.

Wie hast du das ausgehalten?

Klamottentragen nach Zwiebelsystem: Etliche Hosen übereinander, zwei bis drei Paar Socken, T-Shirts, Pullover, Mütze. Und ich habe mir eine alte Wärmflasche aus Kupfer zugelegt; mit heißem Wasser aufgefüllt ergab die eine prima Fußbodenheizung.

Wie kalt wurde es denn so?

Sehr kalt. Ich erinnere mich gut an den Morgen, als die Tulpen im gefrorenen Eiswasser standen. Da war mir klar: Du musst was ändern. Ich hatte das immer vor mich hergeschoben, aber dann habe ich mir einen Monteur geholt. Als die Heizung repariert war, hatte ich auch den Mut, sie nachts durchlaufen zu lassen.

Warum hattest du sie denn ausgestellt?

Pure Angst. Die Angst, an einer Kohlenmonoxidvergiftung zu sterben.

Passiert das denn?

Heute weiß ich: Nein. Aber es war ein weiter Weg dahin, das zu akzeptieren und trotz durchlaufender Heizung ruhig zu schlafen.

Du hattest kein Bad und kein Klo im Chateau. Wo hast du dich gewaschen, wo war die nächste Toilette?

Morgens sehr früh bin ich nackt in den See getaucht. Bis auf die Zeit natürlich, als er zugefroren war, da ging es leider nicht. Ansonsten: Katzenwäsche in einer Schüssel wie früher bei Oma, und einmal die Woche habe ich mir eine heiße Dusche auf dem Platz gegönnt. Für die Toilette habe ich mich aufs Fahrrad geschwungen und bin zum nächsten stillen Örtchen geradelt. Ein Campingplatz verfügt üblicherweise zwar über Waschhäuser, im Winter aber sind die weitgehend geschlossen, das braucht es ein bisschen logistisches Geschick.

Warum das Leben im Camper glücklich macht – auch ohne Luxus

Marions tägliches Morgenritual: Abtauchen im See.

Und wo hattest du Wasser her?

Das habe ich im Kanister geholt – zehn Liter reichten für einen bis zwei Tage zum Waschen, Kochen, Abwaschen. Da merkt man erst mal, mit wie wenig der Mensch auskommen kann, wenn er will.

Hast du regelmäßig gekocht?

Da ist man zumindest in so einem alten Camper doch sehr beschränkt, vor allem im Herbst und Winter. Man will die ganzen Essengerüche ja nicht im Wohnwagen haben. Ein großes Problem ist auch das Kondenswasser. Kartoffeln sind daher ganz schlecht, Nudeln gehen. Am Ende landet man dann in seiner Verzweiflung häufig bei Brot.

Was waren die schönsten Momente?

Morgens in seiner kleinen Nussschale aufzuwachen und auf den See zu blicken. Was für ein wunderbarer Frieden! Da denkst du dir: Die ganze Natur nur für dich, und das für 160 Euro im Monat. Luxus pur. Und weil du so wenig ausgibst, hast du andererseits so viele Möglichkeiten, Dinge zu machen, die dir wichtig sind. Man ist unabhängig, das ist ein tolles Gefühl. Das ist Glück.

Hättest du in der dritten Reihe gestanden und auf andere Camper geguckt, wärst du dann auch so glücklich gewesen?

Nein, das Ganze steht und fällt mit dem Platz. Der Platz direkt am See war mir wichtig, sonst hätte ich das auch nicht gemacht. Es kommt also drauf an, den richtigen Platz im Leben zu finden. So kann man es sagen. Damit steht und fällt alles.

Allein kann ja auch einsam sein – hast du so etwas erlebt, oder ist man eine Gemeinschaft auf dem Platz?

Ich kann zwar sehr gut alleine sein, aber einsam war es schon hin und wieder, vor allem im Winter. Anders ist es natürlich in der Saison. Der Camper an sich ist da schon sehr gesellig. Man tauscht sich aus, gibt sich Ratschläge, hilft sich. In der Regel sind die Menschen sehr kommunikativ und hilfsbereit.

Hattest du keine Angst allein im Camper?

Nee, nur bei praktischen Dingen – siehe Gas und Heizung. Oder Sturm. Aber Angst im Dunklen oder dass mir was passieren könnte – die hatte ich nie.

Versperrt man nachts eigentlich die Tür?

Ich habe tatsächlich erst spät mitbekommen, dass man den Wagen von innen verschließen kann, das war mir lange Zeit gar nicht klar. Du hast für das Buch auch mit anderen Menschen gesprochen, die dauerhaft in Campern oder Tiny-Häusern leben.

Warum das Leben im Camper glücklich macht – auch ohne Luxus

Camper-Romantik bei Hannover.

Alles glückliche Menschen?

Nun, Glück ist ein großes Wort. Nicht jeder der Porträtierten war ja ausschließlich aus freien Stücken auf dem Campingplatz gelandet. Ich denke aber, inzwischen haben sich alle von ihnen mit der Situation arrangiert. Eine der Frauen etwa war zunächst nach einer Trennung eher unfreiwillig auf dem Platz gelandet, heute lebt sie in einem Mobilheim, und sie sagt: „Ich bin so glücklich, dass ich das Glück fühlen kann.“

Warum hast du nach eineinhalb Jahren das Projekt beendet?

Es stand die nächste Saison an, und das wollte ich mir nicht noch mal antun. Ich habe die Stille und Abgeschiedenheit im Winter und Herbst geliebt, den Trubel in der Saison aber fand ich extrem befremdlich. Außerdem kann dann Corona, und der Platz wurde geschlossen.

Hast du inzwischen ein neues Wohnprojekt?

Ja, irgendwie ja, ich ziehe demnächst in eine WG, in ein Mehrgenerationenhaus. Jeder hat dort seine eigene kleine Wohnung, es gibt eine Gemeinschaftsküche und einen Garten für alle. Und dann schau’n wir mal.

Und das Chateau?

Steht jetzt nahe Bremen in einem Naturschutzgebiet bei einem Bauern auf der Wiese auf einem zauberhaften kleinen Platz, da gibt’s nur Kraniche und Gänse in der Nähe. Sobald es die Zeit erlaubt, bin ich dort. Am Ende hat mein Chateauchen den Platz gefunden, den ich mir immer erträumt habe.

Zum Buch: „Sieben Quadratmeter Glück“ ist eine Geschichte übers Reduzieren und einen Neuanfang. Marion Hahnfeldt beschreibt kurzweilig das Leben im Camper mit all seinen Tücken und Glücksmomenten und geht der Frage nach, was wirklich wichtig ist im Leben. Dazu gibt es viele praktische Tipps und Begegnungen mit fünf Menschen, die ihr Leben reduziert haben. Marion Hahnfeldt, „Sieben Quadratmeter Glück“, Delius Klasing Verlag, 202 S., 19,90 Euro

Quellen

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