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Wegbegleiter und Momentesammler: Abschied vom Reisepass

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Wegbegleiter und Momentesammler: Abschied vom Reisepass

Jeder Stempel im Reisepass steht für viele Erinnerungen, Momente, Erlebnisse.

Wegbegleiter und Momente-Sammler: Abschied vom Reisepass

Für manche ist der Reisepass nur ein Ausweisdokument. Für andere ist er mehr, denn er trägt Erinnerungen und Erlebnisse in sich. Orte, die ohne ihn verschlossen geblieben wären. reisereporterin Miriam nimmt Abschied.

Wegbegleiter und Momentesammler: Abschied vom Reisepass

Miriam Keilbach

Für den neuen muss ich den alten abgeben. Ob ich ihn behalten will, fragt die Frau am Schalter. Ich nicke. Ob sie gesehen hat, dass ich gerade noch ein Selfie mit ihm gemacht habe? Ich lächle. Sie nimmt ihn in die Hand, greift mit der anderen zur Schere und schneidet zwei Ecken des Einbands ab. Dann noch eine auf der Ausweis-Seite. Mein Reisepass ist entwertet – er wird nicht mehr mein Wegbegleiter sein.

Mein Reisepass und ich, wir hatten eine ganz besondere Beziehung. Nach fast acht Jahren war er schon ziemlich abgegriffen, die Farbe verblichen, er zog einige Fäden. 57 Stempel finden sich darin, 26-mal bin ich in insgesamt 15 Länder eingereist, die mir ohne Reisepass verwehrt geblieben wären. 

Der deutsche Reisepass ist eine Eintrittskarte für die Welt

Das ist ja auch so eine Sache, die dieses Dokument besonders macht, zumindest für mich als Deutsche. Mein Reisepass ist die Eintrittskarte für die Welt. Für viele Länder brauche ich kein Visum mehr oder bekomme es direkt an der Grenze – nur weil ich den deutschen Reisepass dabeihabe.

Der Reisepass, er ist ein Privileg, das weltweit nur wenige haben. Alle Türen stehen mir offen, er ist der Zugang zu einem großen Freizeitpark. Ich kann selbst wählen, ob ich Achterbahn oder Kettenkarussell nehme, Sri Lanka, Südafrika oder Brasilien.

Jeder Stempel im Reisepass steht für Erinnerungen, Momente, Erlebnisse. Wenn ich den Stempel vom Grenzübergang zwischen Botswana und Namibia sehe, denke ich daran, wie ich zu zwei jungen Reisenden, die ich zufällig im Okavangodelta kennengelernt habe, ins Auto gestiegen bin, um von Maun nach Windhoek zu fahren. Ich denke an die Kondome, die kostenlos an der Grenzstation lagen, um vor dem Ausbruch der HIV-Epidemie zu warnen. Ich denke an die Elefanten, die auf dem Weg zur Grenze über die Straße liefen, und die Schilder, die vor Warzenschweinen warnten, als wir schon in Namibia waren. 

Barfuß über die Grenze von Botswana und Sambia

Zwischen Sambia und Botswana hingegen erlebe ich diese irrsinnige Fahrt mit der Fähre über den Sambesi-Fluss noch einmal. Die kilometerlange Schlange an Lastwagen, weil nur zwei, drei Fahrzeuge auf einmal auf die Fähre passen. Ich denke daran, wie alle Passagiere die Schuhe auszogen, weil die Fähre nicht ganz an Land andocken kann und es keine Brücke gab – wer mitfahren wollte, musste durch den mit Krokodilen und Nilpferden durchzogenen Sambesi bis zum Boot stapfen. 

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Und dann – der Kuba-Stempel. Er lässt mich an einen der schlimmsten Einreise-Momente überhaupt denken. Damals, als Ebola in Westafrika wütete und die Kubaner nicht so recht wussten, ob sie meinen Mann reinlassen sollen oder nicht, denn er war kurz zuvor nach Kenia gereist. Zu deutscher Zeit nachts um 3 Uhr, kaum geschlafen, mit ein paar Brocken Schul-Spanisch, versuchte ich, dem Arzt am Flughafen klarzumachen, dass Kenia ziemlich weit weg liegt von Liberia und Sierra Leone. Ich weiß nicht, wie, nach einer Stunde durfte er dann doch ins Land einreisen. 

Der Reisepass gibt mir eine Freiheit, die viele Menschen nicht haben

Es sind aber nicht nur die Momente an den Grenzen selbst, also jene, in denen der Reisepass einen direkten Einfluss hat, an die ich denke, wenn ich dieses kleine Büchlein in der Hand halte. Es ist die Fülle an Abenteuern, an guten und schlechten Momenten, an unvergesslichen und einzigartigen Erlebnissen, an die ich denke. An Nordlichter und Löwen, die ich in Deutschland nie einfach so sehen könnte, an Schildkröten und geschichtsträchtige Orte. 

Der Reisepass gibt mir eine Freiheit, die nur wenige Menschen weltweit haben. Denn auch wenn Reisefreiheit vielerorts gesetzlich verankert ist, so gilt sie meistens nur für bestimmte Personen. Die Reisefreiheit in Deutschland beispielsweise nimmt Menschen aus vielen Staaten aus – die dürfen nicht einfach so zu uns kommen, um Urlaub zu machen.

Das ist es, was meinen Reisepass für mich zu einem der wertvollsten Gegenstände macht, die ich besitze. Natürlich habe ich einen neuen bekommen, mit meinem neuen Namen. Und natürlich werde ich auch mit ihm viele Abenteuer erleben, werde Orte sehen, die ich nur aus Erzählungen und von Fotos kenne, werde Seiten füllen mit Stempeln von fernen Ländern. Aber es wird nicht das Gleiche sein. Die alte Beziehung ist vorbei, die neue beginnt.

Quellen

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