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Hammerfest – die norwegische Stadt, die immer wieder zerstört wurde

Hammerfest – die norwegische Stadt, die immer wieder zerstört wurde

Wer Hammerfest heute sieht, mag kaum glauben, dass die Stadt gleich mehrfach zerstört wurdeFoto: Getty Images

Hoch im Norden Norwegens liegt ein Ort, der in Europa wohl einzigartig ist. Unter normalen Umständen würde es ihn heute vielleicht gar nicht mehr geben – wären da nicht seine Bewohner und ihr unbedingter Wille, zu überleben. Und das, obwohl der Ort bereits drei Mal komplett zerstört wurde. Die Rede ist von der kleinen Stadt Hammerfest.

Heute leben laut „BBC“ etwa 10.000 Menschen hier, nördlich des Polarkreises. Hammerfest ist eine ruhige kleine Hafenstadt. Doch das war nicht immer so. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts boomt Hammerfest, denn es hat einen einzigartigen Vorteil: Der atlantische Golf-Strom wärmt das Wasser hier so weit auf, dass der Hafen im Winter eisfrei bleibt. Hammerfest wird zu einem internationalen Zentrum der Wal-Jagd.

Ein Ort von internationalem Flair

Auch Walrosse und Robben werden zu dieser Zeit in den Wassern um Hammerfest erlegt und in den Fabriken der Stadt verarbeitet. Derart ergiebig sind die Fanggründe, dass der Ort bald schon international Aufmerksamkeit erregt. Länder wie Deutschland, Frankreich, Dänemark, die Niederlande, aber auch die Großmächte Russland und USA richten hier eigene Botschaften ein.

Dass es in Hammerfest auch heute noch eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Boutiquen und Frisörsalons gibt, ist wohl auch dieser Zeit geschuldet. Man kleidet sich jener Zeit nach der neusten Mode, die Frauen werden ob ihrer Schönheit mit denen in Paris verglichen. Wenig verwunderlich, weckt dieser neue Reichtum schon bald Neider – und führt zur ersten Zerstörung von Hammerfest.

Kriege und Katastrophen

Denn während der napoleonischen Kriege fallen Engländer plündernd in die Stadt ein, nachdem sie sie zuvor in einer einwöchigen Belagerung ausgehungert haben. Hammerfest erholt sich schnell davon, der Handel boomt wie zuvor. Doch ein halbes Jahrhundert nach den Engländern fegt diesmal die Natur über die Stadt hinweg.

Ein katastrophaler Sturm wütet im Hafen-Viertel, zerstört die zahlreichen Warenlager. 1890 dann kommt es zu einer weiteren Tragödie, als in einer Bäckerei ein Feuer ausbricht. Am Ende sind zwei Drittel aller Häuser im Hafen vernichtet, Opfer der Flammen. Hammerfest wird auch dieses Mal wieder aufgebaut, doch gut fünfzig Jahre später ereilt den Ort dann die nächste Katastrophe.

Eine Stadt wird ausgelöscht

1940 fällt Nazi-Deutschland in Norwegen ein, besetzt auch Hammerfest. Als vier Jahre später absehbar ist, dass schon bald die Russen den Ort erobern werden, befiehlt Hitler die vollständige Auslöschung. Ein 1000 Mann starkes Nazi-Bataillon zerstört sämtliche Straßen und die Infrastruktur zur Kommunikation. Schließlich zündet man Hammerfest an.

Unglaubliche vier Monate wüten die Feuer, am Ende sind 10.000 Häuser verbrannt, die gesamte Stadt obdachlos, bzw. längst geflohen. Die Nazis verbrennen sogar die Keller der Häuser – Hammerfest existiert nicht mehr. Das einzige Gebäude, das zu diesem Zeitpunkt noch steht, ist eine Kapelle. Mit Gott will sich Hitler offenbar nicht auch noch anlegen.

Hammerfest für immer

Umso unglaublicher erscheint, was bereits Tage nach Kriegsende 1945 passiert. Die ersten Bewohner von Hammerfest reisen zurück in ihre alte Heimat und beginnen, sie wieder aufzubauen. Nur Wochen später stehen bereits die ersten neuen Häuser, und Hammerfest erwacht wieder zum Leben.

Ein Augenzeuge sagte „BBC“ zu der Geschichte: „Als die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg wiederkehrten, bauten sie ihre eigene Gemeinschaft auf, nachdem sie so lange getrennt waren. Die Lektion daraus: Nur wir allein entscheiden über unser Schicksal.“ Heute ist Hammerfest wieder eine wohlhabende Stadt, was dem Handel mit Flüssig-Gas zu verdanken ist. Experten schätzen, dass dieser neue Boom noch Jahrzehnte andauern wird.

Und selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass Hammerfest auf irgendeine Weise noch einmal zerstört wird, würden seine Bewohner wohl einfach das tun, was sie immer getan haben: wieder von vorne anfangen.

Quellen

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