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Wie stehen eigentlich die Chancen für einen Sommerurlaub 2021?

Wie stehen eigentlich die Chancen für einen Sommerurlaub 2021?

Wird es in diesem Jahr einen „normalen“ Sommerurlaub geben? TRAVELBOOK hat Experten befragtFoto: Getty Images

Viele von uns sehnen sich mehr und mehr nach einer richtigen Reise. Und viele von uns hoffen inständig, dass der Sommerurlaub 2021 stattfinden kann. Unter welchen Bedingungen ist bisher jedoch noch unklar. Wie schon beim Osterurlaub gibt es auch für Reisen im Sommer unterschiedliche Meinungen und Ansätze in der Politik sowie in der Reisebranche.

Übersicht

  • Wird Sommerurlaub 2021 möglich sein?
  • Ist es okay, im Sommer in den Urlaub zu fahren?
  • Wohin können wir im Sommer reisen?
  • Wohin wollen die Deutschen reisen?
    • Das sind die beliebtesten zehn Reiseziele der Deutschen im Sommer 2021
  • Wie viel Einfluss werden die Impfungen auf den Sommerurlaub 2021 haben?
  • Jetzt schon Sommerurlaub 2021 buchen?
  • Wartehaltung bei Buchungen
  • Werden die Sommerferien verkürzt oder verschoben?

Wird Sommerurlaub 2021 möglich sein?

TRAVELBOOK sprach unter anderem mit Kerstin Heinen, Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Sie ist überzeugt, dass Sommerurlaub 2021 grundsätzlich möglich ist. Wie genau der aussehen könne, „hängt insbesondere von einer Beschleunigung beim Impfen ab“, glaubt Heinen. Sie ergänzt: „Außerdem brauchen wir eine vernünftige Restart-Strategie mit einem schlüssigen Test-Konzept und gegebenenfalls auch Flugkorridoren, wie es sie im vergangenen Jahr bei der Türkei gab.  Entsprechende Vorschläge liegen seit Wochen auf dem Tisch.“ Auch die Frage, wohin wir reisen können, sei abhängig von der Entwicklung der Pandemie, den Impfungen und Testkonzepten.

Robert Bartel, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Brandenburg e.V., zeigt sich im Gespräch mit TRAVELBOOK etwas weniger optimistisch: „Meine Kristallkugel zeigt leider nur Nebel. Im Ernst: Es ist wirklich schwierig einzuschätzen, wie die Chancen für einen Sommerurlaub 2021 stehen.“ Bartel hat Hoffnung, dass Sommerurlaub grundsätzlich möglich sein wird, „aber ob der so wird, wie wir es wollen, ist noch nicht absehbar. Das ist abhängig von der Pandemie-Entwicklung.“

Der Virologe Prof. Dr. Jassoy vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie des Universitätsklinikums Leipzig AöR denkt optimistischer. Im Interview mit TRAVELBOOK sagte er: „Die Ausbreitung der Infektion ist kein Naturereignis, sondern hängt vom Verhalten jedes Einzelnen ab.“ Es bestehe ein großes Interesse am Reisen und es werde versucht alles zu tun, damit das in diesem Sommer möglich werde. Auch die Impfungen tragen seiner Ansicht nach dazu bei. Jassoy: „Ich blicke positiv in die Zukunft, dass der Sommerurlaub möglich gemacht werden wird.“

Ist es okay, im Sommer in den Urlaub zu fahren?

Aktuell rät die Bundesregierung weiterhin von allen nicht notwendigen, touristischen Reisen ab. Ein generelles Reiseverbot besteht nicht.

DRV-Sprecherin Heinen fordert, dass das generelle Stigmatisieren von Reisen durch Politiker unbedingt aufhören müsse. Gegenüber TRAVELBOOK sagte sie: „Gerade Pauschalreisen sind nicht die Treiber der Pandemie, wie das Robert-Koch-Institut festgestellt hat. Die meisten Reiseveranstalter haben ebenso wie Fluggesellschaften, Hotels und Zielgebiete gute, funktionierende Hygienekonzepte, und Pauschalreisende haben in der Regel keine engen Kontakte im Urlaubsland.“ Als Beispiel nennt die DRV-Sprecherin Mallorca. Über Ostern flogen laut DRV rund 40.000 Menschen aus Deutschland auf die Balearen-Insel. Heinen: „Die Urlauber halten sich an die Regeln, das hat sich auf Mallorca gezeigt. Die Inzidenzwerte sind trotz des vorsichtig angelaufenen Urlaubsgeschäfts weiterhin niedrig.“ Pandemietreiber seien hingegen viel mehr private Kontakte, wie etwa Verwandtenbesuche oder das Treffen von Freunden.

Rechtsreferent Bartel von der Verbraucherzentrale hat hier einen anderen Ansatz. Er erklärt gegenüber TRAVELBOOK: „Solange es bei der Aufforderung der Bundesregierung bleibt, nicht zu reisen, muss sich jeder erst mal die Frage stellen, ob es wirklich vertretbar ist, sich darüber hinwegzusetzen. Gefährde ich damit mich, gefährde ich damit andere?“  Bartel ergänzt: „Grundsätzlich gilt für Buchungen: Ich muss mich sehr genau informieren. Wie ist die Einreisesituation? Wie ist die Situation vor Ort? Sind Entwicklungen absehbar? Welche Angebote geben mir Flexibilität?“

Prof. Dr. Jassoy hat eine klare Antwort auf die Frage, ob Reisen okay ist. Im Interview sagte der Virologe: „Man kann durchaus reisen, wenn es die politische Situation erlaubt. Ich denke, die Gefahr ist nicht größer als zu Hause.“ Er empfiehlt, besonders dort aufzupassen, wo viele Menschen zusammenkommen und diese Ansammlungen zu meiden. Alles andere werde in der Regel durch Vorschriften wie Maskenpflicht, Abstandspflicht etc. geregelt. Personen, die bereits geimpft sind, können nach Ansicht Jassoys „eines guten Gefühls verreisen“. Er erklärt: „Mit der Impfung und wenn sie sich an die Hygiene- und Abstandsregeln halten, gibt es ein absolut geringes Risiko, sich oder andere zu infizieren.“

Wohin können wir im Sommer reisen?

Diese Frage ist an dieser Stelle kaum zu beantworten. Wie immer empfiehlt es sich, bei dem Wunschreiseziel informiert zu bleiben. Wie das Beispiel Portugal zeigt, können sich die Lagen vor Ort schnell ändern. Anfang des Jahres noch mitten in der Virusvarianten-Krise, steht das Land inzwischen nicht einmal mehr auf der Liste der Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts. Eine ähnlich positive Entwicklung zeigt sich aktuell unter anderem auch in England. Viele andere Länder machen mitunter eifrig Pläne, wie sie Urlaub trotz suboptimaler Corona-Zahlen im Sommer möglich machen. Griechenland legte etwa kürzlich neue Pläne für den Tourismus vor (mehr dazu hier). Der Inselstaat Malta versucht aktuell, Reisende mit Geldgeschenken zur Einreise zu überzeugen. In einigen Ländern werden auch Überlegungen laut, die quarantänefreie Einreise nur dann zu gestatten, wenn der oder die Reisende eine erfolgreich abgeschlossene Corona-Impfung nachweisen kann.

So ist die Corona-Lage in:
Spanien
Italien
Kroatien

Wer gar nicht ins Ausland reisen will, sondern lieber im Inland Urlaub machen möchte, muss sich selbst aktuell noch die Daumen drücken, dass das klappt. Zur Zeit herrscht hierzulande weiterhin ein Beherbergungsverbot. Das heißt Hotels, Ferienwohnungen und Co. bleiben vorerst für touristische Übernachtungen geschlossen. In mehreren Bundesländern gibt es aber Modellprojekte, die teilweise Öffnungen ausprobieren. Dazu gehört unter anderem Schleswig-Holstein.

Wohin wollen die Deutschen reisen?

Bezogen auf das ganze Jahr sei „Deutschland das liebste Reiseziel der Deutschen“, erklärt DRV-Sprecherin Heinen. Sie ergänzt: „Im vergangenen Jahr hatten rund 45 Prozent der Urlaubsreisen ab fünf Tagen Dauer das eigene Land zum Ziel. Wir gehen davon aus, dass das auch dieses Jahr so sein wird.“ Außerhalb von Deutschland gehe der Trend zu den üblichen Zielen: Griechenland, Türkei, Spanien, Balearen, Portugal. Rechtsreferent Bartel sagt im Interview: „Die Deutschen wollen hinreisen, wo es möglich ist – das Ziel ist mittlerweile nicht mehr so wichtig.“

Eine Analyse der Ferienhaus-Suchmaschine HomeToGo gibt Heinen zum Großteil recht: Vier der Top-Ten-Reiseziele im Sommer 2021, die durch eine Analyse von mehr als 15 Millionen Suchmaschinen-Anfragen ermittelt wurden, liegen in Deutschland. Alle anderen sind ebenfalls in Europa, vier von ihnen direkte Nachbarländer Deutschlands. Weit weg wollen in diesem Jahr anscheinend nicht viele.

Das sind die beliebtesten zehn Reiseziele der Deutschen im Sommer 2021

  1. Ostsee, Deutschland
  2. Deutschland
  3. Kroatien
  4. Italien
  5. Nordsee, Deutschland
  6. Dänemark
  7. Frankreich
  8. Niederlande
  9. Bayern, Deutschland
  10. Österreich

Wie viel Einfluss werden die Impfungen auf den Sommerurlaub 2021 haben?

Robert Bartel vom Verbraucherschutz ist hinsichtlich der Impfungen etwas besorgt: „Ich befürchte, dass da was auf uns zukommt und uns einige Länder nur mit einer Impfung reinlassen werden. Ich hoffe, dass das nicht die einzige Voraussetzung sein wird und auch negative Corona-Tests noch anerkannt werden.“

Etwas optimistischer sieht es Kerstin Heinen vom DRV. Sie ist überzeugt: „Dieses Jahr wird es sicher noch eine Kombination aus Impfung und Testpflicht werden, weil bis zum Sommer voraussichtlich nicht alle, die sich impfen lassen wollen, auch geimpft sind.“ Für die Reisenden selbst biete das Impfen eine zusätzliche Sicherheit, die sich auch auf die Urlaubsbuchungen auswirke. „Menschen, die sich sicher fühlen, reisen eher“, sagt die Pressesprecherin gegenüber TRAVELBOOK. Der Wunsch zu reisen sei aber definitiv da. „Reisen muss wieder möglich sein – verantwortungsbewusst und Schritt für Schritt“, findet Heinen.

Jetzt schon Sommerurlaub 2021 buchen?

Nach Meinung von DRV-Sprecherin Heinen können Menschen, die in den Sommerurlaub fahren möchten, jetzt schon buchen. Sie rät: „Sinnvoll ist es, sich im Reisebüro beraten zu lassen und eine Pauschalreise zu buchen.“ In dem Fall hätten Reisende einen Ansprechpartner und seien abgesichert, wenn sie zum Beispiel vor dem Rückflug positiv auf Corona getestet würden. „Reisende sollten unbedingt auf die Buchungsbedingungen und flexible Stornierungs- oder Umbuchungsmöglichkeiten achten“, sagt Heinen und erklärt, dass es oft auch extra Corona-Pakete mit Versicherung gebe.

Hinsichtlich der Kosten für den Sommerurlaub rechnet der Deutsche Reiseverband mit stabilen Preisen, also weder extremen Billigpreisen noch starkem Anstieg wegen der Corona-Pandemie. Heinen merkt aber an: „Natürlich gibt es auch immer mal sehr günstige Angebote. Und wenn alle zu einer bestimmten Zeit zu einem bestimmten Ziel wollen, werden dort die Preise eher steigen.“

Auch Bartel (Verbraucherschutz) sagt klar „Ja“ zum Buchen. Er erklärt: „Ich empfehle zu buchen, obwohl es so schwierig ist, die Lage einzuschätzen. Denn wenn was möglich wird, werden alle buchen. Und wenn die Nachfrage steigt, steigen auch die Preise.“ Gebucht werden solle nach Ansicht des Rechtsreferenten aber nur unter den entsprechenden Bedingungen: „Pauschalreisen geben hier natürlich mehr Sicherheit. Ich würde Flex-Angebote in Anspruch nehmen, auch wenn die ein bisschen teurer sind.“ Auch bei Individualreisen gibt es laut Bartel flexible Angebote: „Unterkünfte kann ich mit zufriedenstellenden Stornierungsbedingungen buchen. Bei Flügen ist das schon schwieriger. Da kann eine Buchung schon ein Glücksspiel sein, wenn ich kein teures, flexibles Ticket gebucht habe.“

Wartehaltung bei Buchungen

„Gebucht wird aktuell vor allem für den Spätsommer und Herbst oder auch schon für 2022“, sagt Heinen (DRV). Beim Sommerurlaub würden die Leute derzeit noch abwarten.

Die Reisebranche stellt sich auf ein weiteres schwieriges Corona-Jahr ein. Die Buchungen für 2021 seien deutlich schlechter als die schon schlechten Zahlen vom Vorjahr, sagte Michael Frenzel, Chef des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, gegenüber  WELT am SONNTAG: „Für die Sommersaison liegen die Buchungen gemessen am Umsatz um 76 Prozent unter den Zahlen im Vorjahreszeitraum.“ Im Frühjahr hätten die Stornierungen die Buchungen weiter übertroffen.

Tui-Chef Fritz Joussen sieht trotz der schwierigen Lage Hoffnungszeichen: „Die mittelfristigen Buchungen für Reisen in drei bis fünf Monaten – etwa die Karibik, aber auch einige Kreuzfahrten – sind deutlich angestiegen in den letzten Wochen“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. (Mehr dazu lesen hier.) Letzteres kann Bartel (Verbraucherschutz) nicht verstehen. Angesichts der Nähe zu anderen Reisenden auf einem Kreuzfahrtschiff sagt er: „Kreuzfahrten würde ich vorerst meiden.“

Werden die Sommerferien verkürzt oder verschoben?

In der Politik wurde Ende März eine erste Stimme für eine Verschiebung der Sommerferien in mehreren Bundesländern laut. Nachdem Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) laut BILD verlauten ließ, dass wohl erst „im August Reisen wieder möglich sind“, forderte Sachsen-Anhalts CDU-Landeschef Sven Schulze: „Wenn man erst ab August wieder reisen darf, dann müssen wir die Ferien nach hinten verschieben.“ Dagegen meldete sich die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Katja Suding, die überzeugt ist, dass ein Reiseverbot „sicher verfassungswidrig“ ist. Deshalb stelle sich die Frage, ob Schulferien verschoben werden müssten, nicht.

Es gibt auch noch andere Überlegungen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schlug Anfang März in einem Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ vor: „Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen.“ Ein solches Vorgehen würde den, durch die Corona-bedingten Schließungen der Schulen entstandenen, Bildungsdefiziten entgegenwirken.

Quellen

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